Mittwoch, 11. März 2009

Spermaportraits 2

Nun habe ich die Spermabilder von Martin von Ostrowski gesehen und kann mehr dazu sagen.
Die Bilder sind in der Tat recht interessant. Das Sperma hat keine wirkliche Farbe (außer ein paar gelblichen und weißen Klümpchen) und die Figuren sind nur durch die Lichtreflexion zu sehen. Die meisten Leinwände sind schwarz und die Dargestellten sehen tatsächlich ein wenig schatten- oder geisterhaft aus. Ein zu esoterischer Weltinterpretation neigender Mensch könnte darin die Aura oder Seele der Abgebildeten erkennen, andere finden sie wahrscheinlich ekelhaft.
Man spürt keine Orgasmen, wenn man den winzigen Raum mit Fliederwänden betritt, aber die Luft darin ist deutlich anders als außerhalb. Ob das nun am Sperma oder an der Raumgröße liegt, kann ich nicht sagen.
Interessant ist auch, dass die Bilder nicht, wie ich dachte, alle mit dem Sperma des Künstlers gemalt sind, sondern mit dem Sperma des Portraitierten. Damit ist also jedes Portrait so individuell und intim, wie es nur sein kann: es enthält die DNS des Dargestellten und lässt die Konsistenz und Farbe seines Ejakulats erkennen.
Übrigens kann jeder, der Lust hat, sich selbst auch malen lassen, bei der Materialbeschaffung kann man sich beraten lassen.
Auf jeden Fall sehen die Bilder anders aus als andere und anders als erwartet und das Schwule Museum ist sowieso einen Besuch wert.



Außerdem gibt es neben der Dauerausstellung eine Sonderausstellung zum Schauspieler Hans Heinrich von Twardowski und eine zu Rochus Gliese, die auch nur noch bis zum 16. März zu sehen sind. Beide sind recht informativ und bringen interessante Erkenntnisse sowie Abgründe. Beispielsweise kannte ich keinen von beiden bewusst, geschweige denn, dass man ahnte, sie seien schwul gewesen.
Es stellte sich heraus, dass ich den erstgenannten u.a. im "Cabinett des Dr. Caligari" (D 1920, R.: Robert Wiene) als Alan (das ist Caligaris Assistent) gesehen habe. Er spielte außedem an Berliner Bühnen, u.a. am DT und wanderte um 1930 heum in die USA aus, wo er eine Zeitlang sogar mit seinem Lebensabschnittsgefährten Martin Kosleck zusammenlebte. Die beiden waren mit Marlene Dietrich befreundet, was in der Ausstellung jedoch im Zwielicht eines Zitats von ihr erscheint, in dem sie betont, was für bemitleidenswerte Menschen Homosexuelle doch seien und dass es beruhigend sei, dass sie sich wenigstens nicht fortpflanzen können.
Rochus Gliese war Kostüm- und Bühnenbildner und Regisseur, der viel mit (dem ebenfalls schwulen) Friedrich Wilhelm Murnau und mit Paul Wegener zusammenarbeitete und u.a. die Kostüme für dessen Golem-Filme entwarf. Für sein Set für Sunrise: A Song of Two Humans (USA 1927, R.: F.W. Murnau) wurde er 1929 für den Oscar nominiert.



Der Golem, wie er in die Welt kam, D 1920, R.: Carl Boese & Paul Wegener, Kostüme von Rochus Gliese

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