Mittwoch, 3. Dezember 2008

3 Schwestern

Im Theater am Kurfürstendamm wird noch bis zum Ende der Woche Anton Tschechows "Drei Schwestern" aufgeführt.
In den Hauptrollen: Nicolette Krebitz, Katja Riemann und Jasmin Tabatabai, Regie führte Amina Gusner.
Die hauseigene Promotion zielt ganz auf die drei ,Ex-"Bandits"' und deren Prominenz. Auch das Programmheft verweist audrücklich auf die Zusammenarbeit der drei Schauspielerinnen in dem Film von 1997 (R.: Katja von Garnier) und auf den dabei entstandenen erfolgreichen Soundtrack.
So entsteht vorab eine verblüffend falsche Vorstellung davon, was auf der Bühne geboten wird, wodurch das Spektakel umso enttäuschender wird. Frei und wild, in lässigen Posen auf einem Auto inmitten einer sommerlichen Landschaft posieren die drei Damen auf dem Plakat. "Frei und wild" - ganz im Geiste von "Bandits" - vermittelt auch das Promotionvideo:



Immerhin bildet das Stück einen netten und aberwitzigen Ausschnitt Russlands ab, aber das ist wohl eher der Vorlage zuzuschreiben (von der ich gestehen muss, sie nicht gelesen zu haben). Was nicht auf Tschechows Kappe geht, ist die Kürzung und Aktualisierung, wie es heißt. Aus dem Baron ist ein typischer "Medienmensch" geworden, bei dem niemand wirklich weiß, was er denn genau macht. Aber das spielt auch keine Rolle, "irgendwas mit Medien", eben. Aus seinem Tod beim Duell wird ein Autounfall, was zwar auch zeitgemäßer ist, andererseits auch der Kürzung einiger Figuren verschuldet ist: Unter anderem der rivalisierende Liebhaber, der Tusenbach erschießt, ist in dieser Inszenieung nicht existent. Irina arbeitet im Call Center, damit auch jeder, der diese Art von Leiden kennt, sich mit der Figur auf der Bühne identifizieren kann (was immer das heißen mag).

Wie es sich für eine moderne und aufgeschlossene, aber nicht zu experimentelle Inszenierung gehört, gibt es fetzige Tanzsequenzen, laute Musik und Schreie. Es werden Schenkel gezeigt und obszöne Posen eingenommen, aber nicht zu viel, man will ja auch nicht übertreiben. Auch hie und da eingestreute kluge "Lebensweisheiten" und kecke Witze lassen kaum auf sich warten.

Die Schauspielerinnen mimen vor allem ihre Rollen in "Bandits", inwiefern diese zufällig mit denen in Tschechows Drama identisch sein mögen, kann ich nicht beurteilen. Das Ganze bleibt ein merkwürdiges, irgendwie intellektuell angehauchtes Geschehen auf der Bühne, das man als außenstehnder Zuschauer nicht recht nachvollziehen kann und mit einem Achselzucken und der Hoffnung, es sei Kunst und man würde es nur nicht verstehen, über sich ergehen lässt. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum könnte auch an der frei einer Vorabendserie nachempfundenen Rhetorik liegen. Entsprechend ist auch das Gebaren nicht überzeugend, die Anspielungen auf "Bandits" nur für Fans interessant und trotzdem deplatziert. Dagegen hilft die "Star Power" genauso wenig wie gegen die um sich greifende Langeweile, die sich trotz aller Bemühungen schon zu Beginn breitmacht.

mehr dazu:
WELT online
FAZ.net
spiegel online

1 Kommentar:

Thomas hat gesagt…

auch bei der nachtkritik war man under-whelmed (am ende noch eine kritikenschau):

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