Donnerstag, 3. Juli 2008

obdachlose (?) Idioten sind lernfähig

Damit meine ich natürlich nicht alle Obdachlosen, schon allein, weil ich grundsätzlich nicht die Obdachlosigkeit aller ebensolcher anzweifle und erst recht nicht denke, dass sie zu mehr Idiotie neigen, als alle anderen.
Ich beziehe mich auf eine mehr oder minder kleine, sich immer wieder um einige Angehörige erweiternde und wieder schrumpfende Gruppe von Männern (ein Mal war eine junge Frau dabei), die hier permanent auf einem kleinen Stück Wiese neben dem S-Bahnhof lungern. Das an sich ist nicht verdammenswert und ihr gutes Recht. Weshalb ich ihnen einen Eintrag widme ist, dass ich in der unschönen Situation bin, in der Regel mehrfach täglich an ihnen vorbeizugehen, so ich denn nicht bereit bin, ihretwegen einen Umweg zu gehen, was nicht der Fall ist. Das Vorbeigehen wäre auch in Ordnung, wenn diese Herren, die die Bezeichnung "Penner" in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen redlich verdienen, sich wie andere auf manchen Wiesen sitzende, liegende und auch bettelnde (oder eher schnorrende) verhalten würden.
Bei dieser aggressiv anmutenden Gesellschaft wird man im Vorbeigehen gewahr, wie sie lustig auf der Wiese schlafen, morgens 9.40h die erste (oder letzte?) Bierflasche leeren, auf abgerissene Plakate scheißen, an die Plakatwand kotzen oder mehrere dieser Tätigkeiten gleichzeitig ausführen. Außerdem finden sie ihr Tun offenbar unterstützenswert, so dass einer von ihnen jedem Passanten einen Becher unter die Nase hält und meist in einem Ton, als wäre er bereit, im nächsten Moment eine Schlägerei anzufangen "Bisschen Kleingeld!" sagt, oder vielmehr bellt.
Zeigt diese charmante Anrede nicht die gewünschte Wirkung, wird man fleißig beschimpft, vorzugsweise, wenn der Zufall oder die Gene wollten, dass man als Frau auf die Welt kommt. Vermutlich soll das Beleidigen dazu führen, dass man beim nächsten Mal bereitwilliger sein Geld verschenkt, auf dass es den Gentlemen zu mehr Rauschmitteln gereiche. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass jeder nur einmal an ihnen vorbeiläuft oder sie gehen davon aus, dass die Gehirne der Passanten genauso leistungsfähig sind wie ihre eigenen, so dass man bis zum nächsten Tag alles vergessen hat und dann auf die freundliche Bitte um einer lebensrettenden Spende anspringt.
Der Titel stellt fest, dass besagte Herren lernfähig sind. Das äußerte sich heute zum ersten Mal, als ich eben die Freude hatte, von ihnen wieder um Geld angeschnauzt zu werden. Statt der üblichen Beschimpfung auf Polnisch (woraus ich folgere, dass einige dieser charmanten Zeitgenossen aus dem polnischen Nachbarland stammen), die immerhin den Vorteil hatte, dass man außer "Kurwa" nichts verstand (zumindest ich nicht), kam ein schnelles, halblautes, ja beinahe überraschend schüchternes "Hure!".
Das macht nun auch die Vermutung zunichte, dass sie darauf bauen, die Vorbeigänger würden die Beschimpfungen aufgrund sprachlicher Barrieren nicht registrieren. Aber immerhin darf ich mir nun mehrmals täglich Beleidigungen in der hiesigen Landessprache um die Ohren werfen lassen. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, ihnen in meiner Muttersprache mitzuteilen, dass mir das nach mehreren Monaten gehörig auf die Nerven geht...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ja so grämen sie sich doch nicht, überreichen sie doch einfach ein paar Ausdrucke ihrer Schmähschrift an die adressierten Damen und Herren.
Andererseits wäre es vielleicht auch an der Zeit, ihr persönliches Polnisch aufzubessern, insbesondere in der Kategorie "unflätige Wortfetzen", um sich in nie geahnte Diskussionsspären aufzuschwingen.

Mit freundlichen Grüßen,

Der aus der Stadt wo man nicht sagen darf