Donnerstag, 6. März 2008

ein Sommernachtstraum

Meine Nachbarin und ein Anflug von Unvernunft verschlugen mich gestern abend ins dt in eine , den drei Stunden pausenloser Spieldauer zum Trotz, spannenden Inszenierung vom Sommernachtstraum . Diese vor allem mit Corinna Harfouch in der Rolle der Titania/Hyppolita beworbene Inszenierung entpuppte sich als eine wunderbar wilde und schmutzige Shakespeare-Inszenierung, die meines Erachtens dem Ansinnen ihres Autors weitaus näher kommt, als alle kunterbunten, glitzernden, in Seife geblasenen Abarten.
Als Bühnenbild diente die Innenansicht eines überdimensionierten Holzkastens ohne Ein- oder Ausgänge, abgesehen von der notwendigerweise fehlenden Wand, die den Zuschauern Einblick gewährte. Die Schauspieler statteten sich während des Stücks mit an den an der Hinterwand aufgehängten Requisiten aus.
Mein Favorit ist Ernst Stötzner als Puck, der entgegen den Klischees kein fellbekleideter Knabe mit Knospen und Zweigen im Haar, sondern im positivsten und wahrsten Sinne ein alter Sack ist. Dies ist er nicht zuletzt kostümbedingt, denn die schwarze Toga, die mal als Umhang, mal als Kopfbedeckung, mal als Prügelwerkzeug gebraucht wird, offenbart oft genug, dass sie - in den Momenten, in denen sie nicht am Boden liegt - sein einziges Kleidungsstück darstellt. Der Rest der Elfenschar besteht entzückenderweise aus ebenfalls nackten Männern, die allerlei bunte Röckchen tragen und sich mit vulgären Scherzen, die vorzugsweise auf Kosten Anderer erfolgen, die Zeit vertreiben.
photo: dt

Eine schrille, schreiende, zirpende, quakende, blutige, bunte, blumige, nackte, fruchtige, erdige Inszenierung, voller einfacher, aber genialer Ideen, die Klischees freundlich aus dem Weg geht. Einige Male wünschte ich mir einen Photoapparat, um absurde Momente wie beispielsweise diesen festzuhalten: Corinna Harfouch umarmt einen stämmigen, nackten Mann, der sich einen geweihförmigen Ast an die Stirn und einen weiteren, länglichen aufrecht zwischen die Beine hält und mit Kunstblut begossen ist. Zu Kommentaren über Jesusmotive und anderem Unfug sei an dieser Stelle aufgerufen.

K

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