Samstag, 22. März 2008

wunderliches Wien

Auf meinen nächsten Besuch in Wien freue ich mich wohl zurecht, denn bei jeder Reise in ihre eigentümliche Stadt erscheinen mir die Wiener ein wenig wunderlicher als zuvor.
Dieses Mal fielen mir besonders politisch inkorrekte Dinge, wie beispielsweise ein Ölportrait von Hitler (oder zumindest jemandem, der sein Doppelgänger sein könnte), das man auf dem samstäglichen Flohmarkt käuflich erwerben konnte, ins Auge. Als eine Ansammlung von Schmankerln auch in eben genanntem Sinn erwies sich das verbreitete politisch inkorrekt benannte Gebäck mit Namen wie Negerschnitte, Marokkanertorte, Mohr im Hemd oder meine persönlichen Favoriten: Cubabombe und Indianer mit Schlag. Letzteres ist kein verprügelter Ureinwohner Amerikas, sondern ein mit Schokolade überzogener Teigklumpen, der mit Schlagsahne serviert wird. So wurde mir zumindest berichtet...
Auch was die Sprache angeht, sind die Wiener ein lustiges Völkchen. Zumindest für deutsches Deutsch gewohnte Ohren sind die vielen österreichischen Ausdrücke , wie "Mistkübel", "Gackerl", "Piperl", "Eichkatzerl" usw. eine Freude.
Auch wenn die Freundlichkeit einzelner Eingeborener zu wünschen übrig lässt, die Stadt Wien ist (für Deutsche überraschend) touristenfreundlich: bereits bevor ich am Flughafen mein Gepäck wiedererlangt hatte, erhielt ich 2 Stadtpläne inkl. Kulturversanstaltungsprogramm und ein Ticket in die Innenstadt in die Hand gedrückt. Letzteres leider (wie alles in Wien, zumindest für mein Verständnis) für einige Euren zu viel. Besagter Plan verriet mir unter anderen nützlichen Sachen, dass es in der österreichischen Hauptstadt auch obskure Dinge außerhalb der touristischen Altstadt gibt. So beispielsweise ein Museum für Verhütung , ein mit Liebe gestaltetes Foltermuseum, ein Schnaps- , ein Schokoladen- und ein Bestattungsmuseum . Leider hatte ich weder Zeit noch Muße, alle genannten aufzusuchen.
Um das Klischee zu erwähnen, natürlich gibt es auch viele viele Dinge, die mit dem Tod zu tun haben, so beispielsweise einen riesengroßen Friedhof , auf dem Busse verkehren und der voller seltsamer Schilder und Gräber ist.
Erwähnenswert scheinen mir auch die beiden Automaten - einer mit Wolken, der andere mit Flammen bemalt - in der Votivkirche, die bei Münzeinwurf, nach Art der Snackautomaten, wie man sie aus öffentlichen Einrichtungen kennt, Kirchenführer, Postkarten, CDs mit Orgelmusik oder Teelichter ausspucken. Auch der fernsehende Goethe nicht zu verachten.
Wegen der vielen makabren, seltsamen und feinen Sachen, ist die ehemalige kaiserliche Residenz in jedem Fall eine Wonne!

Freitag, 7. März 2008

earth live im Lido 27.02.08

Anlässlich des wiederholten Hörens der aktuellen LP erinnerte ich mich an das "earth"-Konzert letzte Woche. Hier ein Bericht, dem ich zustimmen kann und einige Photos, die das Blickfeld über meinem Kopf eröffnen. Hier die Webpräsenz der Band.

K

Donnerstag, 6. März 2008

ein Sommernachtstraum

Meine Nachbarin und ein Anflug von Unvernunft verschlugen mich gestern abend ins dt in eine , den drei Stunden pausenloser Spieldauer zum Trotz, spannenden Inszenierung vom Sommernachtstraum . Diese vor allem mit Corinna Harfouch in der Rolle der Titania/Hyppolita beworbene Inszenierung entpuppte sich als eine wunderbar wilde und schmutzige Shakespeare-Inszenierung, die meines Erachtens dem Ansinnen ihres Autors weitaus näher kommt, als alle kunterbunten, glitzernden, in Seife geblasenen Abarten.
Als Bühnenbild diente die Innenansicht eines überdimensionierten Holzkastens ohne Ein- oder Ausgänge, abgesehen von der notwendigerweise fehlenden Wand, die den Zuschauern Einblick gewährte. Die Schauspieler statteten sich während des Stücks mit an den an der Hinterwand aufgehängten Requisiten aus.
Mein Favorit ist Ernst Stötzner als Puck, der entgegen den Klischees kein fellbekleideter Knabe mit Knospen und Zweigen im Haar, sondern im positivsten und wahrsten Sinne ein alter Sack ist. Dies ist er nicht zuletzt kostümbedingt, denn die schwarze Toga, die mal als Umhang, mal als Kopfbedeckung, mal als Prügelwerkzeug gebraucht wird, offenbart oft genug, dass sie - in den Momenten, in denen sie nicht am Boden liegt - sein einziges Kleidungsstück darstellt. Der Rest der Elfenschar besteht entzückenderweise aus ebenfalls nackten Männern, die allerlei bunte Röckchen tragen und sich mit vulgären Scherzen, die vorzugsweise auf Kosten Anderer erfolgen, die Zeit vertreiben.
photo: dt

Eine schrille, schreiende, zirpende, quakende, blutige, bunte, blumige, nackte, fruchtige, erdige Inszenierung, voller einfacher, aber genialer Ideen, die Klischees freundlich aus dem Weg geht. Einige Male wünschte ich mir einen Photoapparat, um absurde Momente wie beispielsweise diesen festzuhalten: Corinna Harfouch umarmt einen stämmigen, nackten Mann, der sich einen geweihförmigen Ast an die Stirn und einen weiteren, länglichen aufrecht zwischen die Beine hält und mit Kunstblut begossen ist. Zu Kommentaren über Jesusmotive und anderem Unfug sei an dieser Stelle aufgerufen.

K