Donnerstag, 11. Dezember 2008

Umgang mit Computern

Einmal mehr habe ich es gewagt und einmal mehr bin ich entsetzt.
Ein bis zwei Mal im Semester traue ich mich in so genannte BZQ-Veranstaltungen herein (für alle BA-Studenten, für die so etwas Pflichtprogramm ist und die nicht wissen, was das heißt: berufsbezogene Zusatzqualifikation).
Dabei kommen mir schleichend durch den Hintereingang oder kraftvoll durch die Scheibe geschossen immer wieder die gleichen Fragen ins Oberstübchen: Was sind das für Menschen um mich herum? Und wie gehen sie durch's Leben?!

Eben tat ich mir (es gehört vermutlich auch etwas Masochismus oder ein Übermaß an Optimismus dazu) ein Seminar an, dass darüber aufklären sollte, wie man E-Mail-Bewerbungen schreibt. Ich hab noch nie eine verschickt, sie machen sich in letzter Zeit relativ breit - es hätte ja sein können, dass es signifikante Unterschiede zu schriftlichen Bewerbungen gibt, die ich nicht kenne.
Nun... das Seminar brachte unter anderen folgende Erleuchtungen:
- Es ist ungünstig, Dateien als .doc zu verschicken, noch schlimmer ist es, wenn man "dieses neue Word" benutzt. Mehrere verschiedene Dateiformate sind auch doof.
- Es gibt so Dinge, damit kann man .pdf machen. .pdf ist gut.
- Man sollte bei Bewerbungsschreiben auf korrekte Rechtschreibung achten.
- Es ist möglich, beim Scannen die Auflösung zu verändern und ratsam, sie nicht allzu hoch einzustellen (weil: da werden die Dateien groß).
- Man kann in Word Bildchen einfügen.

Zum letzten Punkt gibt es auch eine feine Begebenheit zu erzählen. Der Dozent wollte uns - denn er hat "ja Informatik studiert" und ist unter anderem deswegen im Bezug auf E-Mail-Bewerbungen besonders kompetent - einen tollen Trick zeigen, wie man in Word Grafiken einfügen kann. Den hat er sich ganz allein ausgedacht und das ist gaaanz Spitze, weil die Bilder sonst "da links am Rand kleben". Man kann nämlich (Trommelwirbel) in Word nicht nur schreiben, sondern auch (immer noch Trommelwirbel) Textfelder einfügen (Applaus)! Das hat den Vorteil, dass man das mit der Maus frei herumschieben kann und so. Und in das Textfeld kann man nicht nur Sachen reinschreiben, nein "da kann man ein Bisschen schummeln", und zwar indem man da eine Grafik einfügt! (Standing Ovations!)
Zwischenfrage: "Ich hab das Textfeld jetzt so eingefügt, aber da ist jetzt so ein schwarzer Rahmen drum. Kann man den irgendwie wegmachen?"
Jaja, dann muss man nur noch den Rahmen entfernen und schon hat man ein prima Textfeld mit einer Grafik drin!

An dieser Stelle habe ich interveniert. Vorher konnte man das auch gar nicht, weil der Vortragende von seiner Entdeckung so begeistert war, dass er pausenlos erzählt hat.
K: "Man kann aber auch einfach die Grafik einfügen und ihr Layout verändern."
Dozent (ja, er war auch unter 30): "Wie, dann ist sie doch aber so links am Rand. Einfach in den Text rein? Sagen Sie mal, wie mache ich das?"
--- er fügt unter meiner Anweisung die Grafik ein und verändert das Layout entsprechend ---
Dozent: "Ja, also so können sie das auch machen. Das geht auch."

Ich bin zwar kein Informatiker und kein Grafikdesigner und nutze den PC dilettantisch als Anwender, aber: WTF?!
Es saßen Menschen neben mir, die einen akademischen Titel mit sich herumführen und heute Abend die Entdeckung gemacht haben, dass man mit Word auch andere Dinge tun kann, als nur Text tippen. Der Dozent, der (nochmal zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen) "ja Informatik studiert hat" wusste etwas nicht, das ich vermutlich in der 7. Klasse beim Word-Erkunden entdeckt habe und denkt sich irgendwelche Geheimtipps aus, die den Arbeitsaufwand verdoppeln und ein schlechteres Ergebnis erzielen. Diese führt er dann auch noch vor, zusammen mit Musterbewerbungen, an denen sogar ich auf den ersten Blick die eine oder andere inhaltliche und formale Unzulänglichkeit bemerke. Und das alles im universitären Rahmen! WTF?!

Man merkt es schon, ich bin bestürzt.
Deswegen höre ich jetzt auf, mich aufzuregen und nehme mir endgültig vor, in Zukunft solche und ähnliche Veranstaltungen zu meiden.

PS: Das alles erinntert mich an ein Seminar zu Web 2.0, das im letzten Semester stattfand und in dessen letzter Sitzung jemand fragte, ob man in einem Wiki "so Dinge einfügen kann, wo man dann klickt und dann kommt was Neues?"

Mittwoch, 3. Dezember 2008

3 Schwestern

Im Theater am Kurfürstendamm wird noch bis zum Ende der Woche Anton Tschechows "Drei Schwestern" aufgeführt.
In den Hauptrollen: Nicolette Krebitz, Katja Riemann und Jasmin Tabatabai, Regie führte Amina Gusner.
Die hauseigene Promotion zielt ganz auf die drei ,Ex-"Bandits"' und deren Prominenz. Auch das Programmheft verweist audrücklich auf die Zusammenarbeit der drei Schauspielerinnen in dem Film von 1997 (R.: Katja von Garnier) und auf den dabei entstandenen erfolgreichen Soundtrack.
So entsteht vorab eine verblüffend falsche Vorstellung davon, was auf der Bühne geboten wird, wodurch das Spektakel umso enttäuschender wird. Frei und wild, in lässigen Posen auf einem Auto inmitten einer sommerlichen Landschaft posieren die drei Damen auf dem Plakat. "Frei und wild" - ganz im Geiste von "Bandits" - vermittelt auch das Promotionvideo:



Immerhin bildet das Stück einen netten und aberwitzigen Ausschnitt Russlands ab, aber das ist wohl eher der Vorlage zuzuschreiben (von der ich gestehen muss, sie nicht gelesen zu haben). Was nicht auf Tschechows Kappe geht, ist die Kürzung und Aktualisierung, wie es heißt. Aus dem Baron ist ein typischer "Medienmensch" geworden, bei dem niemand wirklich weiß, was er denn genau macht. Aber das spielt auch keine Rolle, "irgendwas mit Medien", eben. Aus seinem Tod beim Duell wird ein Autounfall, was zwar auch zeitgemäßer ist, andererseits auch der Kürzung einiger Figuren verschuldet ist: Unter anderem der rivalisierende Liebhaber, der Tusenbach erschießt, ist in dieser Inszenieung nicht existent. Irina arbeitet im Call Center, damit auch jeder, der diese Art von Leiden kennt, sich mit der Figur auf der Bühne identifizieren kann (was immer das heißen mag).

Wie es sich für eine moderne und aufgeschlossene, aber nicht zu experimentelle Inszenierung gehört, gibt es fetzige Tanzsequenzen, laute Musik und Schreie. Es werden Schenkel gezeigt und obszöne Posen eingenommen, aber nicht zu viel, man will ja auch nicht übertreiben. Auch hie und da eingestreute kluge "Lebensweisheiten" und kecke Witze lassen kaum auf sich warten.

Die Schauspielerinnen mimen vor allem ihre Rollen in "Bandits", inwiefern diese zufällig mit denen in Tschechows Drama identisch sein mögen, kann ich nicht beurteilen. Das Ganze bleibt ein merkwürdiges, irgendwie intellektuell angehauchtes Geschehen auf der Bühne, das man als außenstehnder Zuschauer nicht recht nachvollziehen kann und mit einem Achselzucken und der Hoffnung, es sei Kunst und man würde es nur nicht verstehen, über sich ergehen lässt. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum könnte auch an der frei einer Vorabendserie nachempfundenen Rhetorik liegen. Entsprechend ist auch das Gebaren nicht überzeugend, die Anspielungen auf "Bandits" nur für Fans interessant und trotzdem deplatziert. Dagegen hilft die "Star Power" genauso wenig wie gegen die um sich greifende Langeweile, die sich trotz aller Bemühungen schon zu Beginn breitmacht.

mehr dazu:
WELT online
FAZ.net
spiegel online

Dienstag, 4. November 2008

another dimension, with voyeuristic intention


Auch wenn die Plakate (und einige schlecht informierte Pressetexte) durch das Aufweisen der beiden Preview-Termine in die Irre führt, fand die Weltpremiere der unter Mitwirkung von Richard O'Brien neu inszenierten "Rocky Horror Show" natürlich zu Halloween statt. Da es einen Tag vorher noch die billigeren Karten gab, konnte ich dem Meister persönlich bei diesem Anlass leider nicht die Hand schütteln. Aber selbst die "Generalprobe" war eine umwerfende Show.
Seltsamerweise waren nur Wenige verkleidet, nur vereinzelte Gestalten (in zum Teil etwas deplatzierten Gewändern (frei nach dem Motto "Hauptsache weird")) waren anwesend und ein halbnackter Transvestit wurde nach der Pause mit Jubel begrüßt.
Die Handtaschen der abendlich gekleideten Besucherinnen wurden (mit mäßigem Erfolg) gleich an der Tür durchsucht, denn alles ess- & brennbare ist im Admiralspalast verboten. Die an manchen Stellen angebrachte Bemängelung des Toastverbotes ist dennoch unpassend, da die entsrepchende Stelle einer veränderten Inszenierung zum Opfer gefallen ist. Der Reis lässt sich immerhin einfach durch Konfetti ersetzen und nach den Wunderkerzen hat keiner gefragt, bis sie angezündet wurden. Das nutzten einige gewitzte Besucher, um das Sicherehitspersonal während der Vorstellung noch auf seine Kosten kommen zu lassen. Besonders nett war der Einsatz eine Reihe vor uns, wo der ohnehin schon kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehende Sicherheitsmensch hinhastete und in einer atemberaubenden Geschwindigkeit sämtliche Funkensprüher zum Erlöschen brachte.
In jedem Fall scheint das Premierepublikum etwas lustiger gewesen zu sein, das ältere Pärchen rechts neben mir hat zeitweise doch etwas verstört ausgesehen, z.B. als Rob Morton Fowler alias Frank'n'Furter uns sein Gesäß entgegenstreckte oder beim Applaus zum Trampeln und Mittanzen animierte...
Der einzige Mangel neben dem eingeschlafenen deutschen Mitt50er-Zwangskulturpublikum wäre vielleicht, dass die Show leicht overproduced wirkt (Maria Franzen kann einfach viel zu gut singen, um es bei "Science Fiction" mit Richard O'Brien aufnehmen zu können). Aber ob das ein Mangel ist, wäre eine Streitfrage.
Die Darsteller waren jedenfalls ausgesprochen souverän, die üblichen Versuche, die "Rocky Horror Picture Show" zu kopieren, ließen sich nicht blicken. Die Kostüme waren durchaus ansehnlich, die Haarfarben erfrischenderweise von denen der Filmdarsteller unterschieden. Rocky sah aus wie Hansel aus "Zoolander" (Owen Wilson), ließ sein aufgemaltes Sixpack aber schnell vergessen und blendete die vorderen Reihen mit einem erstaunlich debilen Gesichtsausdruck, wie es sich für Rocky eben gehört. Ein blonder Frank'n'Furter glänzte (abgesehen vom Glitter auf den Lippen und auf dem Kostüm) durch enormen Sexappeal und permanente Flirtlaune sowie allerbeste Bühnenpräsenz. Besonders hübsch (und nur eine von vielen guten Ideen) war die überdimensionierte King-Kong-Hand, die ihm bei seinem Auftritt in der "Floor Show" als Sessel diente (und natürlich das passende weiße Kleidchen + blonde Lockenperrücke)... Dummerweise klatschte das Publikum - und das scheint eine Volkskrankheit zu sein, denn darüber hat sich schon meine alte Musiklehrerin immer wieder wunderbar aufgeregt - nach jedem Song, womit das Ensemble jedoch gut umgehen konnte. Das essentielle "Whatever happened to Fay Wray?" ist dennoch untergegangen. Fraglich ist jedoch, ob diejenigen, die wie wild im Stück klatschen solche Anspielungen überhaupt verstehen, geschweige denn vermissen. Zum Taktklatschen am Ende will ich mich gar nicht erst äußern...
Das Verständnis sämtlicher Anspielungen wurde zudem erschwert, da erfreulicherweise nicht nur die Lieder, sondern das komplette Musical in englischer Sprache ist. Der etwas merkwürdig anmutende Martin Semmelrogge bildet das deutschsprachige Bindeglied zum Publikum und kommentiert das Geschehen. Außerdem verpatzt er ab und an seine Einsätze und erscheint zum Applaus in Strümpfen und High Heels, in denen ihm das Laufen Schwierigkeiten bereitet. Auch dazu kein Kommentar.

Trotz aller Meckereien meinerseits ist nicht nur das Stück, sondern auch die Inszenierung auf dem Plakat treffend beschrieben mit bad, bizarre and bloody brilliant!



Links:
net-tribune
orf
zisch (CH)
tagesspiegel
kulturkurier
ad hoc news
kurier (A)

Samstag, 25. Oktober 2008

"bleibt fröhlich"

Nachdem am 10. Oktober ihre aktuelle Platte (ja, auch als solche erhältlich) erschienen ist, beglücken uns "Bohren & der Club of Gore" nun mit einer Europatour.
In ca. einer halben Stunde spielen sie in Dresden. Leider bin ich nicht dort, sondern zu Hause. Gesehen habe ich die Herren jedoch trotzdem, nämlich vorgestern in Berlin.
In einem (fast) dunklen Raum, die Instrumente (und die eine oder andere spielende Hand oder ein Kopf) beleuchtet von einzelnen, die Farbe wechselnden Lichtern ... vier Männer in schwarzen Anzügen und schwarzen Hemden ... erstaunlich monotone Ansagen ... merkwürdige Geräusche wie eine Mischung aus gregorianischem Mönchsgesang und einem synthetischen Rauschen ... dramatische stumme Schreie (bei der Erzeugung dieser) ...
Alles in allem sehr schön, sehr gut und entspannend. Gestört wurde das Ganze nur durch gar witzige Scherzkekse, die der Ansicht waren, "auflockernde", "witzige" Sprüche von hinten schreien zu müssen... um mit diesen vorzugsweise eine der wundervollen Ansagen zu unterbrchen.
Eine solche soll auch den Abschluss und das Fazit bilden:
"Das nächste Stück ist, wie alle unsere Stücke, komponiert nach dem Motto: ,Keine Möbel, aber 'ne Putzfrau'."


20.10.in Münster

Mittwoch, 15. Oktober 2008

verkaufen fetzt nicht

Im Moment versuche ich, mein Auto zu verkaufen. Dabei habe ich einmal mehr festgestellt, dass verkaufen keinen Spaß macht... Ein potentieller Käufer ist suspekter als der nächste und alle haben sie eine Krankheit gemein: Sie lieben es, mir aufzuzählen, was sie an meinem Auto reparieren oder ausbessern lassen wollen und zu behaupten, die Reparaturen seien ein Grund, den Kaufpreis zu halbieren. Ich habe beispielsweise überhaupt kein Verständnis dafür, dass jemand bei einem 12 Jahre alten Kleinwagen alle Kratzer lackieren lassen will. Es ist ja nicht so, als hätte das Auto einen Prestigewert und müsste idealerweise frisch und schön aussehen. Da einige von den Kandidaten das Auto für einen Fahranfänger kaufen wollen, scheint mir dieses Vorhaben noch sinnfreier, weil der Wagen in diesem Fall nach einigen Monaten vermutlich sowieso wieder zerkratzt ist. Außerdem scheint mir nach diesem Argumentationsmodell auch sinnvoll zu sein, dass ich den Käufern alle Reparaturen, die ich in den vergangenen Jahren vornehmen ließ, aufzähle und den Kaufpreis deswegen verdopple. Davon abgesehen, dass man an einem Wagen bis zum Bankrott und darüber hinaus immer weiterbauen kann, weil sich mit Sicherheit immer noch was finden wird, das man einbauen, austauschen und polieren lassen kann...
Vorgestern erzählten mir zwei junge Herren eine Geschichte, die so eigenartig war, dass die einzige sinnvolle Erklärung die war, dass sie das Geld, das sie mir geben wollten, vorher zu Hause gedruckt haben. Zumindest wüsste ich keinen anderen Grund, weshalb man den Wagen 21h im Dunkeln sofort kaufen müsste, ohne ihn am Folgetag noch einmal bei Licht zu sehen. Die "offizielle" Geschichte, es sei ein Geschenk für die Freundin (im Wert von ca. 1000€), die unbedingt HEUTE abend damit überrascht werden soll, schien mir doch etwas seltsam. Außerdem ließ die Art der Kommunikation dieser Geschichte keine Zweifel darüber, dass sie vorher auf der Hinfahrt erfunen worden war. Irgendwie muss man es ja begründen, dass man anruft, eine Stunde später den Wagen im Dunkeln sieht, natürlich eine dreistellige Summe Bargeld dabei hat und sofort bereit ist, ihn zu kaufen. Sehr seltsam, das alles.
Auch wenn es zum Teil witzig ist, langsam aber sicher verlässt mich die Neugier auf die potentiellen Käufer, die da noch kommen mögen...

Dienstag, 30. September 2008

H4 World

Wunderbar, gleich gegenüber O2 World (dazu will ich mich hier lieber nicht äußern) auf der anderen Seite der S-Bahn-Brücke an der Warschauer Straße, das Willkommensschild für Friedrichshain:


Der Aufruf "Esst mehr Obst!" auf der Rückseite verweist auf den Urheber dieses feinen Schildes: der RAW-Tempel

Samstag, 27. September 2008

Ankauf von Kaputten


Auch wenn die es inzwischen einen neuen Flyer mit weniger Fehlern gibt, ist dieser zu schön, um aus dem Verkehr gezogen zu werden.
Nicht nur, dass dieser Flyer uns mitteilt, dass hier absolut diskret Kaputte angekauft werden, neben den üblichen Dienstleistungen eines Juweliers gibt es außerdem Medizinmänner, die Schmuck heilen. Dies ist vermutlich ein nicht minder schwieriges Unterfangen, als Battarien zu wecheln.
Über die Schreibweise der "Geschäftzeiten" herrscht Uneinigkeit und bei allem, was groß und wichtig ist, wird der Vorteil der deutschen Sprache, lange, zusammengesetzte Substantive zu bilden, gänzlich vergessen.
Zu guter letzt sei noch auf die originelle Webadresse verwiesen und darauf, dass die mit pinkem und orange Textmarker hervorgehobenen Textstellen ("Ankauf von Kaputten..." & die Webadresse) auf dem Scan leider schlecht erkennbar sind.

Freitag, 26. September 2008

Familie Sauron

Auf einem Photo vom Père-Lachaise entdeckte ich eben dieses Grab, das ganz unauffällig mitphotographiert wurde.


Offenbar liegt hier die Familie des bösen Buben aus Mittelerde, womöglich sogar der ringgierige Mann himself. Eine weitere Berühmtheit, die in die lustigen Pläne vom Friedhof eingezeichnet gehört.

Dienstag, 5. August 2008

totentropfen

Was für schöne Wassertropfen man doch auf den Treppen des Arbeitgebers findet.


Auch wenn das Photo nicht das beste ist, erkennt man doch, dass dieses feine Exemplar sich nicht ganz entscheiden konnte, ob es ein Totenkopf oder ein Apfel wird. In jedem Fall hat er eine symbolisch nicht zu knapp aufgeladene Form angenommen.

Freitag, 1. August 2008

Esspapier

Das Café um die Ecke ist mir zwar ohnehin suspekt, doch nun habe ich auch Beweise, um andere zu überzeugen. Es sieht nicht nur aus wie das Parade-Etablissement für "Da würde ich niemals freiwillig reingehen", es scheint auch merkwürdige Speisen zu beherbergen. Worüber ich (vermutlich genau wie jeder andere) gezwungen wurde, zu stolpern, aus dem einfachen Grund, dass das Ding mitten auf dem engen Gehweg steht (eng deswegen, weil den restlichen Platz die entsprechenden Außentische einnehmen), ist dieses Schild.


Doch wie schon bei diesem wunderlichen Hinweis(welches immer noch am Alexanderplatz zu bewundern ist) stellt sich die Frage: "Was will man uns mitteilen?"
Die Auslegung von "Sehr leckere Wochenkarte" ist meines Erachtens nicht allzu schwer: Die Wochenkarte des Etablissements ist lecker, und nicht nur das, sie ist sehr lecker. Eindeutig sind nicht etwa die Speisen, die auf der Wochenkarte angeboten werden, gemeint, sondern ebendiese selbt. Nun denn, bon appétit: frisch aufgewärmte feinste Wochenkarte aus Farb- und Zellstoff, mit etwas Leimung und einem Schuss Wasser, verfeinert mit Tinte und Imprägnierung, auf Wunsch auch gebunden. Als Beilage gibt es wahlweise einen Satz Besteck oder einen Tischlappen.
Sie sparen 20%, wenn sie dieses Gericht zusammen mit der Tageskarte bestellen.

Mittwoch, 30. Juli 2008

dramatic animals

Toll, nach dem dramatic chipmunk:



und dem dramatic lemur:



jetzt auch eine dramatic cat gefunden:



Ich liebe sie!

Freitag, 25. Juli 2008

nix für mich


Diese für mich kryptische Uhr soll ihren Betrachter offenbar ins Kindesalter zurückversetzen, als es noch anstrengend war, die Zeit zu lesen, weil das Ziffernblatt einfah nicht mit einem reden wollte. Sollte jemand die Uhr ohne Probleme und Zeitaufwand lesen können, möge er sich als Mathegenie fühlen, mir ist das jedenfalls suspekt. Als der Mensch, den ich kenne, der am wenigsten mit Zahlen umgehen, also auch nicht rechnen kann, käme so etwas für mich höchstens zu Zwecken der Wandverzierung in Betracht. Allerdings schätze ich den ästhetischen Wert mathematischer Rechenoperationen und -aufgaben nicht genug.
Sollte jemand (im Gegensatz zu mir) überprüfen können, ob die Rechnungen überhaupt auf die korrekte Zahl schließen lassen, fühle er sich dazu aufgefordert. Das würde mich durchaus interessieren.
via gizmodo

Samstag, 5. Juli 2008

Bananen

Eine weitere eher ungeschickte Produktplatzierung begegnete mir heute auf dem Wochenmarkt. Die philosophischen Fragestellungen könnten folgende sein:
Ist das Schild falsch oder sind es die "Bananen"?
Ist meine Wahrnehmung eine andere als die des Verkäufers, dem die Melonenstücke oder die Trauben oder beides in Kombination als Bananen erscheinen?
Wären die Bananen da, wenn man das Schild oft genug lesen würde?
Wäre das Schild auch da, wenn es keiner lesen würde?

TV 4 men

Bis vor kurzem blieb ich mit dem Wissen verschont, dass es TV-Zeitschriften gibt, die sich darauf spezialisieren, den vermuteten Fernsehgeschmack männlicher Artgenossen besonders gut zu treffen. Als wären die üblichen Fernsehhefte mit Klatsch und Tratsch über mehr oder weniger unbekannte "Stars" und lustigen TV-Rätseln nicht schon schlimm genug, bekommt Mann hier offenbar die schönsten Mitternachts-Softpornos und Sendungen mit besonders ansehnlichen Moderatorinnen - vermutlich vorzugsweise in Verbindung mit Fußball -, eben alles, wofür sich der echte Mann zu interessieren hat, rausgepickt und in einfach verständlicher Form unter die männliche Nase gerieben.
Mir kommen dabei mehrere Fragen in den Sinn.
1. Was für Männer kaufen so etwas und haben sie es schonmal mit einer wirklichen Frau zu tun gehabt?
2. Haben diese Dinger einen Selbstzerstörungsmechanismus, der ausgelöst wird, wenn eine Frau sie aufschlägt?
und die dritte und wohl gravierendste Frage:
Warum platziert dieser Kioskbetreiber das entsprechende Tittencover direkt neben dem Lustigen Taschenbuch, das wohl vorrangig für unschuldige Kinderaugen gedacht ist?

Donnerstag, 3. Juli 2008

obdachlose (?) Idioten sind lernfähig

Damit meine ich natürlich nicht alle Obdachlosen, schon allein, weil ich grundsätzlich nicht die Obdachlosigkeit aller ebensolcher anzweifle und erst recht nicht denke, dass sie zu mehr Idiotie neigen, als alle anderen.
Ich beziehe mich auf eine mehr oder minder kleine, sich immer wieder um einige Angehörige erweiternde und wieder schrumpfende Gruppe von Männern (ein Mal war eine junge Frau dabei), die hier permanent auf einem kleinen Stück Wiese neben dem S-Bahnhof lungern. Das an sich ist nicht verdammenswert und ihr gutes Recht. Weshalb ich ihnen einen Eintrag widme ist, dass ich in der unschönen Situation bin, in der Regel mehrfach täglich an ihnen vorbeizugehen, so ich denn nicht bereit bin, ihretwegen einen Umweg zu gehen, was nicht der Fall ist. Das Vorbeigehen wäre auch in Ordnung, wenn diese Herren, die die Bezeichnung "Penner" in Großbuchstaben und mit Ausrufezeichen redlich verdienen, sich wie andere auf manchen Wiesen sitzende, liegende und auch bettelnde (oder eher schnorrende) verhalten würden.
Bei dieser aggressiv anmutenden Gesellschaft wird man im Vorbeigehen gewahr, wie sie lustig auf der Wiese schlafen, morgens 9.40h die erste (oder letzte?) Bierflasche leeren, auf abgerissene Plakate scheißen, an die Plakatwand kotzen oder mehrere dieser Tätigkeiten gleichzeitig ausführen. Außerdem finden sie ihr Tun offenbar unterstützenswert, so dass einer von ihnen jedem Passanten einen Becher unter die Nase hält und meist in einem Ton, als wäre er bereit, im nächsten Moment eine Schlägerei anzufangen "Bisschen Kleingeld!" sagt, oder vielmehr bellt.
Zeigt diese charmante Anrede nicht die gewünschte Wirkung, wird man fleißig beschimpft, vorzugsweise, wenn der Zufall oder die Gene wollten, dass man als Frau auf die Welt kommt. Vermutlich soll das Beleidigen dazu führen, dass man beim nächsten Mal bereitwilliger sein Geld verschenkt, auf dass es den Gentlemen zu mehr Rauschmitteln gereiche. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass jeder nur einmal an ihnen vorbeiläuft oder sie gehen davon aus, dass die Gehirne der Passanten genauso leistungsfähig sind wie ihre eigenen, so dass man bis zum nächsten Tag alles vergessen hat und dann auf die freundliche Bitte um einer lebensrettenden Spende anspringt.
Der Titel stellt fest, dass besagte Herren lernfähig sind. Das äußerte sich heute zum ersten Mal, als ich eben die Freude hatte, von ihnen wieder um Geld angeschnauzt zu werden. Statt der üblichen Beschimpfung auf Polnisch (woraus ich folgere, dass einige dieser charmanten Zeitgenossen aus dem polnischen Nachbarland stammen), die immerhin den Vorteil hatte, dass man außer "Kurwa" nichts verstand (zumindest ich nicht), kam ein schnelles, halblautes, ja beinahe überraschend schüchternes "Hure!".
Das macht nun auch die Vermutung zunichte, dass sie darauf bauen, die Vorbeigänger würden die Beschimpfungen aufgrund sprachlicher Barrieren nicht registrieren. Aber immerhin darf ich mir nun mehrmals täglich Beleidigungen in der hiesigen Landessprache um die Ohren werfen lassen. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, ihnen in meiner Muttersprache mitzuteilen, dass mir das nach mehreren Monaten gehörig auf die Nerven geht...

Sonntag, 29. Juni 2008

baking bread in the 80s...

Wie sich's gehört hat man in dem wohl gruseligsten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts nicht nur grauenvoll geschmackloses Zeug angehabt und sowieso schrecklich ausgesehen, sondern auch furchtbare Tanzstile erfunden. Doch als wäre das nicht schon schlimm genug, kombinierte man all diese Dinge offenbar mit dem Alltag.
Hier ist ein Video von einem Typen, der so 80s ist, wie man nur sein kann und tanzend Brot bäckt.

via nerdcore

Dienstag, 24. Juni 2008

womöglich der hässlichste mp3-player aller Zeiten



Dieses verunglückte Kind einer rasierten Eidechse und eines geplatzten rosa Flauschehasen, das zudem eine Atombombenexplosion aus nächster Nähe miterlebt hat, wäre mit seiner bizarren Optik an sich vermutlich schon genug gestraft. Aber da der Mensch schlecht ist, verdammte er diese bizarre Schöpfung (nach wessen Vorbild auch immer sie entstande haben mag) zum Dasein als mp3-player. Das hat zur Folge, dass es von merkwürdig platzierten Anschlüssen geschmückt wird. Es mag sein, dass ein solches Gerät in Form eines "Tieres" nicht allzu viele elegante Möglichkeiten zur Platzierung der nötigen Steckplätze und Knöpfe bietet, aber auch auf diesem Gebiet ist besagte Ausführung weit vom Optimum entfernt: Der Kopfhöreranschluss befindet sich unter dem rosa Flausch an der Stelle des Kehlkopfes, während die Knöpfe am Rücken sind, außerdem wächst dem Wesen eine grüne Kunststoffschlaufe aus dem Hinterkopf und als besonderes Vergnügen darf man ihm das USB-Kabel in den Mastdarm stecken!


via gizmodo

Samstag, 21. Juni 2008

Yip Yip-Kostüm

Sollte jemand die Yip Yips aus der "Sesamstraße" noch nicht kennen, dies meine Lieblings-yip yip-Episode:



Jetzt gibt es hier eine Anleitung, die es uns beibringt, Yip Yip-Kostüme zu basteln. Wer also noch was Feines für Halloween, die nächste Faschingssaison oder eine Freak-Mottoparty bauen möchte, möge sich austoben.
Doch der Auftritt als Yip Yip ist bei weitem nicht einfach und möchte deswegen lange und ausgiebig einstudiert sein. Zahlreiche Videos auf youtube zeigen uns, wie er nach hinten losgehen kann. So beispielsweise diese unspektakuläre Aufnahme einer eher gescheiterten Imitation in zu kurzen Kostümen:


via boing boing

Donnerstag, 12. Juni 2008

seltsame Wesen aus dem Schlamm


Diese an unanständige Körperteile erinnernden Wesen tragen aus offensichtlichem Grund in der deutschen Sprache den lustigen Namen "Elefantenrüsselmuschel". Ebenso offensichtlich ist, weshalb ihnen - wie so vielen anderen kuriosen Tieren oder Körperteilen von solchen - eine potenzsteigernde Wirkung unterstellt wird. Das und ihre knusprige Haut sind vermutlich der Grund dafür, dass man die Penismuscheln in den USA und in Asien teuer verkauft und gern isst. Werden sie von diesem Schicksal verschont, verbringen sie ihr bis zu 200 Jahre langes Leben an einem einzigen Fleck im Schlamm der Pazifikküste und werden dabei bis zu 2m lang.


more pictures & infos atdark roasted blend, wikipedia
via boing boing

Samstag, 7. Juni 2008

Ich sehe nackte Menschen

Selbiges ist mir zwar bislang nicht allzu oft unbeabsichtigt passiert, das wäre ja auch nicht wünschenswert. Eben passierte es jedoch auf der web site von Karel Vojkovsky, wo sich unter anderen auch diese feine Aufnahme findet.

Einige meinen, man könnte die Gestalt, in der der Tod einen holt, wählen. Es könnte beispielsweise Brad Pitt sein, wie in Martin Brests "Rendezvous mit Joe Black" (obwohl da nicht vom Sterbenden ausgewählt), der sicherlich der antiken griechischen Vorstellung von Thanatos, dem schönen Zwillingsbruder des Schlafes, nicht unähnlich ist. Die männlichen Artgenossen mögen eine Frau, wie beispielsweise die gezeigte Ausführung des "Sensenmannes" bevorzugen. Zugegebenermaßen würde ich vor ihr vermutlich auch nicht weglaufen.
via Art Nudes

Roboterkörperteile zum Dessert


Ich bin zwar (leider) nicht gerade täglich im Cupcake-Laden, aber meines Wissens malen die nicht so lustige zerstückelte Roboter auf ihre veredelten Muffins.
Diese kunstvollen Verzierungen schuf Hello Naomi, die auf flickr weitere Kreationen präsentiert, darunter auch Super Mario-, Pacman- und Alice in Wonderland-Cupcakes
via boingboing

Mittwoch, 4. Juni 2008

schiefes Mobiliar


Wunderschöne holzgewordene Phantastereien aus Alice' Wunderland oder einem Film von Tim Burton. Leider ist das lustige Mobiliar, das den Eindruck vermittelt, man hätte halluzinogene Substanzen konsumiert, nur in den USA erhältlich. Zumindest soweit diese Seite die Einkaufsmöglichkeiten offenbart. Aber das spielt auch keine allzu große Rolle, da der Preis für ein solches Möbelstück sich vermutlich weit außerhalb meines Budgets für Dinge, die ich eigentlich nicht brauche, befindet.

schwebender, schreiender, tropfender glubschkopf


rührendes video um den selbigen
via nerdcore

Donnerstag, 29. Mai 2008

bloody body


Foto: John Ross
Diese und viele andere nicht weniger beeinduckende Photos finden sich auf der website von John Ross. Tiere, Menschen, Landschaften, Flüssigkeiten und allerlei andere Motive und Effekte werden hier im Bild festgehalten.
via nerdcore

in eigener Sache

Ein junges Blog voller Streifen!

Indiana

Hier eine kurze Rekapitulation des gestrigen Kinoerlebnisses: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels.

Dienstag, 27. Mai 2008

science fiction pictures

Photodesign aus Dortmund von den Blutsbrüdern... schöne, märchenhafte Mattepaintings, Photoretuschen & cgi.
via nerdcore

Sonntag, 25. Mai 2008

Hasselhoff - Hooked on a Feeling

Das ist zwar alt, aber immer noch nicht weniger furchtbar und ich finde, es gehört gepostet. Es ist immer wieder schön... ähem...

in eigener Sache

Hier findet sich ein Blog voller R2-D2-Gadgets und -Merch. Ein Hoch auf die fahrende, reparierende Mülltonne!

Freitag, 23. Mai 2008

schöne neue Blechdosenwelt

Ich mag keine Dosen. Ich trinke so gut wie nie aus Dosen, weil man sie nicht zuschrauben und in die Tasche stecken kann, wenn man sie nicht mit einem Mal leeren will. Ich will nicht gezwungen sein, jetzt sofort alles zu trinken oder die halbvolle Dose so lange mit mir herumzuschleppen, bis ich wieder Durst habe und der Inhalt in der Zwischenzeit schal und handwarm geworden ist. 0,33l ist zwar so viel nicht, aber es ist auch kein Schnapsglas.
Ich glaube, diese lustigen bunten Blechzylinder, die in bestimmten Abständen ihr Aussehen ändern, gibt es überhaupt nur noch, weil man "mal wieder aus der Dose trinken" will, so wie früher, als Dosen noch cool waren und man die verschiedenen Marken gesammelt und an der Wand entlang meterhoch gestapelt hat.
Ich finde wiederverschließbare Kunststofflaschen einfach praktischer. Wenn nicht aus Nostalgie oder Mangel an Auswahl, kaufe ich keine Getränke in Dosen. Zugegebenermaßen haben mich die bunten Blechzylinder in den letzten zehn Jahren nicht genug gereizt, um darauf zu hoffen, dass endlich jemand eine wiederverschließbare Variante davon etnwickelt, aber eine gute Idee ist es sicherlich dennoch. Und hier ist sie, eine wunderbar einfache Konstruktion, die mit zucker- oder hefehaltigen Getränken getränkte Picknickdecken in die Vergangenhet schicken könnte.

Samstag, 10. Mai 2008

Monsterratten und anderes Getier

Eine "Grillparty" unter Arbeitskollegen. Gut. Das Wetter ist schön, warum nicht? Und wie Samuel L. Jackson alias Jules Winnfield uns in Pulp Fiction gelehrt hat, macht die vegetarische Freundin (bzw. der Freund) seinen Partner auch zu einer Art Vegetarier. Das bedeutet für mich, dass es auch mal wieder Fleisch gibt. Und ab und an ist totes Tier ja auch was Feines. Also Grillparty. Auch wenn mir diese Wort immer wieder im Hals - oder zwischen den sich sträubenden Fingern und der Tastatur - stecken bleibt.
Der Garten stellte sich als besonders schön heraus. An dieser Stelle sei ein Lob an die Gastgeberin ausgesprochen. Es wimmelte nur so von feinen Tierchen - bunten Fischen im Teich, einem Pflaumenkopfsittich, Fröschen und Kröten und Wasserschildkröten. Leider habe ich mich - im Gegensatz zum Vogel - nicht nach der konkreten Art/Rasse (?) erkundigt, was bei meinem Maß an zoologischer Inkompetenz auch vollkommen überflüssig gewesen wäre. Jedenfalls gab es Tiere. Angefasst habe ich nur die Schildkröten, die haben mich dafür mit ihren nassen Füßchen (wie immer die bei Schildkröten heißen mögen) "gestreichelt". Eine Wonne.
Eine Feier unter Arbeitskollegen. Das führt also dazu, dass hauptsächlich über Arbeitskollegen gesprochen wird. Vorzugsweise über jene, die (noch) nicht anwesend sind. Wie immer. Dazu gibt es wohl nicht viel zu sagen.
Außerdem wurde natürlich fleißig gefuttert und da alle es bei der Zusammenstellung des Buffets gut miteinander gemeint haben, blieb auch nach einem vernünftigen Fressen viel übrig, was wieder mitgenommen werden konnte, so dass die Anwesenden sich die nächsten Tage von Nudel-, Kartoffelsalat und Grillfleisch ernähren können.
Moderation is a fatal thing. Enough is as bad as a meal. More than enough is as good as a feast.
Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray. Ch.XV.
Außerdem habe ich Einiges gelernt. Beispielsweise, dass niedliche dicke Wuschelratten auch gemeine Schweine sind und fiese Sachen tun. Beispielsweise brechen sie in Wellensittichkäfige ein, um die vorherigen Bewohner auszuweiden und zu verspachteln. Live und in Farbe durfte ich miterleben, wie eine von eben diesen Ratten zu meiner Überraschung eine Schnecke aß. Bis heute wusste ich nicht, dass Ratten Gartenschnecken essen, aber sie schien recht schmackhaft zu sein, denn sie musste standhaft vor den Käfigmitbewohnern verteidigt werden. Die siegreiche Ratte biss daie Schlale/den Panzer/wie auch imemr das korrekt heißen mag an einer Seite auf (und aß die Bruchstücke ebenfalls), um anschließend die Schnecke daraus zu lecken wie aus einer Schale. Großartig!
Außerdem betrieb ich eine Photostudie, die sich der Eulensammlung der Gastgeberin widmete. Leider waren die Eulen nicht echt, sondern aus Keramik, Ton, Stein, Holz, Filz usw., obwohl mir versichert wurde, in den umliegenden Wäldern könne man auch Exemplare aus Fleisch, Feder und Knochen finden. Immerhin fand ich 35 künstliche im Gartenhaus, in den Beeten, im Baum usw. Insgesamt besitze sie ca. 600, wurde ich aufgeklärt. Der Vorteil an Sammlungen ist, dass Schnaps- und Krawattengeschenke entfallen und man immer Eulen (oder was immer man gerade sammelt) bekommt. Außerdem ist es ja auch nicht ärgerlich, wenn man ein paar doppelt hat. Be 600 Stück fällt es vermutlich auch gar nicht auf.
Fazit: Ein Hoch an dieser Stelle auf Eulen, auf Raubtiere, Sonne, Bäume, Wiese und Fleisch!

Donnerstag, 1. Mai 2008

seltsamer Fund aus den Tiefen des Internet

Auf einer lustig bunten Seite kann man sich von selbstgewählten Tieren, bspw. einem Fisch, einem pinken Hasen (auch in braun, als Ostervariante) oder einem Vogel in entsprechender Umgebung selbstgetippte Sachen sagen lassen. Neben der Sprache (sogar zwischen unterschiedlichen Arten Französisch, Englisch & Spanisch wird unterschieden) kann man bspw. die Größe des Fischrumpfes wählen. Das Gesagte klingt freilich etwas seltsam, beachtet aber Interpunktionszeichen und hört sich ungefähr so an, wie eine Sprachlernkassette oder Grundschullehrerin. Der Sinn soll sein, dass man eine putzig gestaltete sprechende Nachricht verschicken kann. Das sähe dann zum Beispiel so aus...nun ja...
Außerdem kann man das Tier nutzen, um nicht sprechen zu müssen, und sich dennoch mit jemandem zu unterhalten, der im selben Raum ist...vermutlich lassen sich noch viele viele andere Einsatzmöglichketen finden, von denen eine sinnfreier ist als die andere...

Sonntag, 27. April 2008

"Micky-Maus"-Postkarten 1931


Diese feinen Postkarten stammen aus der Zeit als die Welt noch schwarz-weiß war und Disney nicht als Produzent lustiger bunter Kinderfilmchen galt, die v.a. dazu dienen, das Kind, das noch zu jung ist, um sich am PC zu beschäftigen, 20cm vor dem Fernseher abzustellen, -setzen oder -legen, während man eigenen Vorlieben nachgeht.
Sie entstanden im Rahmen einer 1931 in Deutschland produzierten Reihe von Postkarten, die "Micky-Maus" als Bettler, Säufer, Raucher etc. zeigten - schwarz/weiß, gar lustig und mit Genehmigung von W.E.Disney.


Scans aus: Laqua, Carsten: Wie Micky unter die Nazis fiel. Walt Disney und Deutschland. Reinbek bei Hamburg 1992. S. 24f. copyright: Disney

Dienstag, 22. April 2008

Ein Disney-Film durch Hitlers Augen

21.12.1937, im Carthay Circle Theater in Hollywood präsentieren Walt Disney und seine Mitarbeiter das Ergebnis ihrer dreijährigen Arbeit: "Snow White and the Seven Dwarfs" (über Tolkiens Variante der Mehrzahl „dwarves“ sollte erst später gestritten werden) - den ersten abendfüllenden Animationsfilm, von dessen Erfolg bis zu seinem Eintreten wohl niemand außer Walt Disney überzeugt war. In Deutschland sollte der Film (vorerst aus finanziellen Gründen) nicht vor Oktober 1950 (bereits zum zweiten Mal synchronisiert) uraufgeführt werden.
Nach außen hin wollten die Nazis das deutsche Kulturgut nicht von Amerikanern fehlinterpretiert sehen, was sich auf Anweisung des „Ministers für Volksaufklärung und Propaganda“ auch in der Presse äußerte. Außerdem sei der Film viel zu gewalttätig (in Großbritannien nicht unter 16 Jahren freigegeben) und zu lang, so dass die grellen (!) Farben die Augen schädigten.
Hintergrund der schlechten Publicity war der missgönnte Erfolg des Amerikaners, dessen jüdischer zweiter Vorname so gut verschwiegen wurde, so dass ihn heute kaum noch jemand kennt. Ihre amerikanische Herkunft ist aus Nazi-Sicht auch der einzige "handfeste" Nachteil der frühen Disney-Filme. Goebbels und der gescheiterte Künstler Hitler selbst waren vermutlich große Bewunderer der Zeichenfilme und hätten nichts lieber getan als Vergleichbares (oder vielmehr Besseres) auf deutschem Boden zu produzieren. Zu diesem Zweck gründete Goebbels 1940 die "Deutsche Zeichenfilm GmbH", die Disneys Vorsprung an Erfahrung und Fähigkeiten dank des arischen Blutes schnellstens auf- und überholen sollte. Bis heute hat nur ein Film das lange nicht mehr existente Studio in Berlin verlassen.
Im Februar 1938 wurde eine Kopie des neuen Disney-Spielfilms für des "Führers" Privatkino angekauft. Etwa ein Jahr später lag die erste (und angeblich beste) deutsche Fassung vor, die sich spätestens ab 1940 auch im Reichsfilmarchiv befand. (1966 wurde der Film nochmal synchronisiert, die einzige heute zugängliche Fassung ist die 1994 für die VHS angefertigte.) Ab 1941 waren ausländische Filme im Reich verboten und durften ab 1942 nur mit persönlicher Genehmigung des „Ministers für Volksaufklärung und Propaganda“ aus dem Reichsfilmarchiv geliehen werden. Das heißt, die einzigen deutschen Kinos, die „Schneewittchen und die Sieben Zwerge“ vor 1950 zeigten, waren die Privatkinosäle der Nazi-Elite.
Offensichtlich hatte also zumindest Hitler Interesse daran, besagten Film zu sehen. Dieses soll hier untersucht werden, wobei ausdrücklich angemerkt sein soll, dass ich weder ihm eine sinnvolle Weltanschauung, noch Disney oder seinem Film nationalsozialistische oder antisemitistische Elemente unterstellen will. Die versuchte Interpretation des Filmes aus Hitlers Perspektive soll nicht etwa zeigen, dass die NS-Ideologie ihre Stereotypen von Disney bezieht oder umgekehrt, sondern dass beide sich auf etwas Drittes beziehen: die archetypische Vorstellung von Gut und Böse. Wenn die Nazis alles Übel der Welt auf eine Religionsgemeinschaft, die sie nicht nur zu einer "Rasse", sondern auch zu einer politischen Gruppe erklärten, projizieren, so weist natürlich auch alles andere das Böse Verkörpernde Parallelen zu dieser auf. Ebenso liegt allen (heute ebenso klischeehaft wirkenden) Darstellungen der traditionellen sittlichen Werte (d.h. „des Guten“) ein und derselbe Stereotyp zu Grunde.
Die folgende Darstellung versucht ausschließlich die Frage zu beantworten, wie Adolf Hitler „Schneewittchen und die Sieben Zwerge“ gesehen haben mag. Eine vollkommen gegenseitige Interpretation ist wohl ebenso möglich.

Zunächst scheint der verarbeitete Stoff, ein deutsches Volksmärchen (1812 von den Gebrüdern Grimm erschienen) bereits als solcher verlockend. Außerdem kannte man vor „Snow White and the Seven Dwarfs“ keine abendfüllenden Animationsfilme, der erste farbige Cartoon war gerade drei Jahre alt. Disneys beliebte Kurzfilme liefen in den Kinos als Teil des Programms um den Hauptfilm. Sie eröffneten Möglichkeiten, die der Realfilm nicht bot und zeigten eine phantastische, ungewohnte, bewegte Welt.
Es ist nicht verwunderlich, dass auch „der Führer“ nicht am sensationellen, maßstabsetzenden „Schneewittchen“-Film vorbeikam. Davon abgesehen gab es wohl auch andere Kriterien, die ihn zu einem seiner angeblichen Lieblingsfilme werden ließen, der Gerüchten zufolge noch im Bunker gezeigt wurde.

„Blut und Charakter [...] [sind] zwei verschiedene Worte für das gleiche Wesen“(A.Rosenberg)

Die antisemitische Weltanschauung des NS lässt sich in diesen Film perfekt hineininterpretieren. Dabei wäre Schneewittchen als die naturverbundene Vertreterin arischen Blutes zu deuten, die den Kampf gegen die Stiefmutter, die sich an ihrem "Wirt" parasitär bereichert, aufnimmt. Die Zwerge repräsentieren das schaffende Volk, das sich in die "natürliche Ordnung" einreiht und fleißig Dienst an der Gemeinschaft leistet. Alle Parteien verkörpern das im NS-Staat propagierte Ideal eines dem Charakter (d.h. dem Blut) entsprechenden Äußeren, wobei die wahre Gestalt der Stiefmutter die alte, hassenswerte Mörderin ist, die die vorherige "Verkleidung" der schönen Frau nutzt, um sich unter "das arische Volk" zu mischen.

Die im Märchen zu Beginn auftretende leibliche Mutter Schneewittchens (die sich seltsamereweise beim Anblick von Blut, Schnee und Holz ein Kind wünscht) ist Walt Disneys Schere zum Opfer gefallen. Das hat unter anderem zur Folge, dass der Zuschauer in eine verkehrte, vom Bösewicht dominierte Welt eintritt, in der die Unterdrückung durch die Stiefmutter an der Gestalt der Königstochter, die Lumpen trägt und Putzarbeiten ausführt, sichtbar wird. Ebenso fühlten sich die Nazis in einer von Mitgliedern der „jüdischen Weltverschwörung“ beherrschten Welt als die einzig Erleuchteten, die sich zur "Überwindung der kommunistischen Zersetzung"(Zitat aus: A.Hitler:"Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Volk", 1.2.1933) berufen sahen. Die Stiefmutter ist zudem „fremden Blutes“ – wie „der Jude“, dessen einziges Ziel die "Zersetzung" und "Blutvergiftung" des "deutschen Volkes". Die Stiefmutter lebt parasitär bei einem so genannten "Wirt" und beneidet die Schönheit Schneewittchens, die zu übertreffen ihr selbst nach Rosenberg natürlich schon aufgrund ihres „nichtarischen Blutes“ und des damit einhergehenden verdorbenen Charakters nicht vergönnt ist. Nachdem sie sich also in Verkleidung in den „Organismus ihres Gastvolkes“ (Zitat aus: „Der ewige Jude“, 1940) eingeschlichen hat, beginnt sie mit der "Auspressung der deutschen Arbeitskraft"(Zitat aus: "Mein Kampf"), was in dem Falle durch Schneewittchen repräsentiert wird. Als sie sich von ihr bedroht fühlt (zumal die Königstochter gern zu arbeiten scheint, weil das "arische Blut" danach strebt, zu schaffen), soll sie sterben. Damit die Stiefmutter am Hof ihre "Maske des zivilisierten Europäers" (Zitat aus: "Der ewige Jude") bewahren kann, beauftragt sie einen Jäger mit dem Mord.

"Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein" ("Mein Kampf")

Die Gnade ihres Nicht-Mörders erlaubt es Schneewittchen, in eine Wald-Idylle zu fliehen, wo es – dank ihrer Verbündeten, der Tiere – Zuflucht im kleinen Häuschen der sieben Zwerge findet. Die über allem stehende „rassische Abstammung“ des Menschen galt auch für Tiere, so dass bestimmte Tierarten nationalsozialistischen Schutz genossen, während andere vernichtet werden sollten. Die Tiere, die sich um Schneewittchen und die Zwerge versammeln, bilden auch im Film den Gegenpol zu den beiden Geiern, die später die böse Königin im Wald begleiten und sich bezeichnenderweise zufrieden auf ihre Leiche stürzen, anstatt ihr zu Hilfe zu eilen.
Die Tätigkeiten, mit denen Schneewittchen sowohl zu Beginn im Schloss als auch im Zwergenhaus hauptsächlich beschäftigt ist, entsprechen dem, was Hitler an deutschen Frauen schätzen wollte: ihre Eignung zur Mutter. Kaum in der Hütte angekommen, beginnt sie, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen, ohne zu wissen, wessen Haus sie überhaupt betreten hat. Gegenüber der Märchenvorlage (in der sie auch nur bei den Zwergen bleiben darf, wenn sie den Haushalt führt) wird ihre Mütterlichkeit im Film besonders betont. So belehrt sie die helfenden Tiere beim Putzen und Aufräumen und bringt die Zwerge dazu, sich ungewohnterweise vor dem Essen die Hände zu waschen. Außerdem findet sie im Märchen die Zwergenhütte nicht schmutzig und verwahrlost wie im Film, sondern "so zierlich und reinlich, daß es nicht zu sagen ist" vor. Da das Essen hier auch schon auf dem Tisch steht, bedient sie sich, anstatt wie im Film zu kochen.

schaffendes Kapital

Die Zwerge widersprechen auf den ersten Blick einer Positionierung auf „der guten Seite“ aus nationalsozialistischer Sicht, doch sind sie trotz ihres Kleinwuchses weder krank noch schwach und stellen fleißige Mitglieder der Gemeinschaft dar (was die Stiefmutter nicht ist). Sie arbeiten pflichtbewusst in einer Mine, wo sich gerade die geringe Körpergröße als nützlich erweist und singen dazu fröhliche Lieder:
„Wir ackern und wir plagen uns, denn das ist uns’re Pflicht!“
Die Zwerge stellen keine Fragen, verrichten ihre Arbeit, nehmen ihren Gast freundlich auf, leben in einem hierarchischen System (der Zwerg „Doc“ heißt in der deutschen Version „Chef“, wohingegen „Seppl“ als Jüngster immer wieder erzieherisch zurechtgewiesen wird), an dessen Spitze rasch Schneewittchen erscheint. Auch im Sinne des platonischen Staates erfüllen sie ihre Aufgabe, indem sie ihre Unterlegenheit (gegenüber der Königstochter) (an-)erkennen und sich in die daraus resultierende gesellschaftliche Stellung einordnen. Die Zwerge jodeln, singen und musizieren zur Unterhaltung ihres Gastes und zeigen „ausgeprägten Opfersinn“ (Zitat aus:„Mein Kampf“) nicht zuletzt, indem sie Schneewittchen auch im Sinne der Sitte ihr Schlafgemach überlassen.
Zudem erinnern sie an Hitlers Pläne für die Bevölkerung im Osten, die nur die "vierklassige Volksschule" besuchen soll, um "[...] Schreiben des Namens, [und] eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, dem Deutschen gehorsam zu sein und ehrlich, fleißig und brav zu sein" (Zitate aus: "Mein Kampf) zu lernen. Die sieben Zwerge erweisen sich durch ihr Verhalten und die Namensinschriften auf ihren Betten als in diesem Sinne "gebildet". Vielleicht sah Hitler in der Geschichte von der arischen Figur, die in der Wildnis Ordnung und Disziplin verbreitet sogar die "Eroberung des Raums im Osten".

Die Wiederkehr des Bösen

Schneewittchen wird in ihrer neugewonnenen Idylle bei der Hausarbeit lediglich von der als „arme, alte Bettlerin“ wiederkehrenden Königin gestört, die ihr – schwarz gekleidet und mit Hakennase versehen – vergiftete Ware verkaufen will. Die Hexerei, derer sie sich bedient, ist ein weiteres Element des stereotypen Bösen, das allerdings in der pseudo-wissenschaftlichen Nazi-Ideologie keinen Platz mehr fand. Mittels eines erlogenen Heilsversprechens wird die Stieftochter dazu gebracht, in den Apfel zu beißen, woraufhin die vermeintliche Mörderin in triumphierendes Gelächter verfällt. Der Vernichtungswahn der Königin erweist sich als Schneewittchen unermüdlich über sieben Berge verfolgend - es bedarf eben der tödlichen „Endlösung“, um die Gefahr zu bannen. Diese tritt ein, als die Stiefmutter von den Zwergen verfolgt wird und aufgrund einer Mischung aus Zufall und Eigenverschulden in einen Abgrund stürzt. Die Zwerge erweisen sich hierbei als hilfsbereit und tapfer, jedoch nicht als grausame Mörder und die Königin erhält dennoch ihre verdiente Strafe, quasi durch die Natur (d.h. die „Reinheit des Blutes“), gegen die sie zu handeln versucht. "Die ewige Natur rächt unerbittlich die Übertretung ihrer Gebote" (Zitat aus: "Mein Kampf"). Geschickt entfernt sich Disneys Variante vom frühneuzeitlichen Tod der Königin durch Folter (sie muss in glühenden Eisenschuhen "so lange tanzen, bis sie tot zur Erde" fällt).

Schluss

Als der (ausschließlich singende und damit an "Monty Python and the Holy Grail" erinnernde) Prinz auftaucht, lassen ihn die Zwerge – im Gegensatz zu Grimms Märchen, in dem sie das Mädchen zuerst nicht hergeben wollen – gemäß ihrer Rolle gewähren und die Totgeglaubte küssen. Disney umgeht an dieser Stelle die seltsame Erklärung der Märchenvorlage, der in Schneewittchens Rachen steckende „giftige Apfelgrütz“ sei durch das Stolpern eines Sargträgers wieder „aus dem Hals“ gefahren, indem er sich der romantischen Erlösung aus einem anderen Märchen, das erst 22 Jahre später Disney-Stoff werden sollte, bedient.
Nun kann der Königgsohn seine Braut auf sein Schloss nehmen, wo sie endgültig in die von der nationalsozialistischen Erziehung vorgesehene Mutterrolle schlüpfen kann. Im Film ist sich das Liebespaar vorher ein Mal begegnet, wobei Schneewittchen errötet davonrannte; im Vergleich zu Grimms Märchen, indem der Prinz sich in die Schönheit des vermeintlichen Leichnams verliebt, ist das ein Fortschritt. So paart sich jeder "nur mit einem Genossen der gleichen Art" (Zitat aus:"Mein Kampf") und die Zwerge werden mit ihrem neugewonnenen Sinn für Sauberkeit und Ordnung in den Wald zurückgelassen.

Montag, 21. April 2008

The Picture and Dorian Gray

In seinem 1890 zunächst als Zeitschriftenfassung veröffentlichtem Roman „The Picture of Dorian Gray“ beschreibt Oscar Wilde das Leben eines jungen Mannes, der sein Alter und seinen seelischen Zustand auf phantastische Weise auf sein Portrait überträgt, was ihm das Ausleben niederer, egoistischer und sadistischer Aspekte seiner Persönlichkeit ermöglicht, ohne sein Ansehen in der viktorianischen Gesellschaft zu verlieren. Im Gegensatz zur vier Jahre älteren Figur des Dr. Henry Jekyll aus R.L.Stevensons "The Strange Case of Dr. Jekyll & Mr. Hyde" benötigt er dazu nicht einmal einen anderen Körper – sein junges und schönes Gesicht ist Verkleidung genug.
Eternal youth, infinite passion, pleasures subtle and secret, wild joys and wilder sins – he was to have all these things. The portrait was to bear the burden of his shame: that was all.
An dieser Stelle soll es um die Rolle des bereits im Titel benannte Portraits gehen, das in das Leben des Protagonisten und somit auch Anderer eingreift.

Die Offenbarung der eigenen Schönheit

Die anfänglichen Kapitel führen uns in das innerhalb des grauen und lauten London als blumige Oase erscheinende Atelier des Malers Basil Hallward, der an einem Portrait des Schönlings Dorian Gray arbeitet. Dieser lernt währenddessen Lord Henry Wotton – einen Freund des Künstlers – kennen, der ihm im paradiesisch anmutenden Garten seinen verführerischen „new Hedonism“ unterbreitet, welcher das sinnliche Vergnügen zum einzigen Sinn und Schönheit und Jugend zu den einzigen Werten des menschlichen Daseins erhebt:
[…] beauty is a form of Genius – is higher indeed, than Genius, as it needs no explanation.[…] It cannot be questioned. It has its divine right of sovereignty.
Der schüchterne, unverdorbene Jüngling ist von dieser den traditionellen Werten entgegengesetzten Weltanschauung zunächst verwirrt, fühlt sich aber auf seltsame Art von Redner und Rede gleichermaßen fasziniert.
Als er das fertige Portrait erblickt, sieht er sich erstmalig seinem perfekten Ich gegenüber gestellt. Gemäß Wildes Auffassung, die Aufgabe des Künstlers sei nicht die Nachahmung, sondern die Perfektionierung der Natur, sieht er im Portrait mehr als er im Spiegel erblicken könnte. Bereits hier offenbart das Bild dem Betrachter mehr als nur die äußere Erscheinung seines Modells. Die Vollkommenheit des Dorian Gray aus Farbe weckt die Bewunderung und das Selbstwertgefühl des Originals. Vorher als „brainless, beautiful creature“ umschrieben, wird es sich seiner äußerlichen Vorteile bewusst, die Lord Henry eben noch als die höchsten des menschlichen Daseins pries. Wie das Kind, das sich in Lacans Spiegelstadium im Spiegel als mächtig, einheitlich und autonom wahrnimmt, steht Dorian im Atelier seinem durch Basils Imagination optimierten Pseudo-Spiegelbild gegenüber.
[…] his cheeks flushed for a moment with pleasure. A look of joy came into his eyes, as if he had recognised himself for the first time. […] The sense of his own beauty came to him like a revelation.
Doch so, wie Narziss sich im Augenblick seiner Erkenntnis (davon, dass er sich in ein unerreichbares Trugbild verliebt hat) auch seines Elends bewusst wird, überkommt Dorian das Bewusstsein der Vergänglichkeit menschlichen Daseins gepaart mit schmerzendem Neid:
I shall grow old, and horrible, and dreadful! […] I am jealous of everything whose beauty does not die! […] Oh, if it were only the other way! If the picture could change and I could be always what I am now!
Sein eben erwachter Narzissmus wird durch das Bewusstsein der Vergänglichkeit seiner Schönheit gekränkt. Im jungen Mann erwacht der Wunsch nach Unsterblichkeit, für dessen Erfüllung er seine Seele zu geben bereit wäre.

Nachdem Dorian die Zerstörung des Bildes (wegen seiner offenbar niederdrückenden Wirkung auf den Portraitierten) verhindern kann, beginnen die Anwesenden es wie einen lebenden Doppelgänger Dorians zu bezeichnen, bis es von seinem Schöpfer sogar als „the real Dorian“ betitelt wird. Gemäß Platons Linien- und Höhlengleichnis besitzt das Abbild oder die Spiegelung weniger Wahrheitsgehalt als das Abgebildete. Aufgrund des Tausches den Portrait und Modell hier bereits vollzogen haben, ist der höhere Wahrheitsgehalt auf das Bildnis übergegangen. Während Dorian künftig seine jugendliche Schönheit als gesellschaftliche Maske behält, offenbart es sein wahres Wesen.

Nach und nach stellt Dorian Veränderungen am Portrait fest, die er zunächst nicht der Realität oder seiner Phantasie zuordnen kann (auch der Leser erfährt bis zum 13. Kapitel nicht, ob die Veränderungen ein Produkt von Dorians Einbildung sind). Aus Angst, andere könnten sie auch sehen, versteckt er das Bild in seinem ehemaligen Kinderzimmer. In diesem engen, ungepflegten und etwas schauerlichen Raum, in den er selbst einst von seinem verhassten Großvater verbannt wurde, soll sein alter ego sein geheimes Dasein fristen. Dorian Gray selbst ist (dank der uralten Erfindung des Schlosses) der Einzige, der zwischen Dachkammer, in der sich das Abbild seines Innenlebens verbirgt und seiner eigenen, von nutzlosen Kunstgegenständen erfüllten, ästhetisierten Welt, die er mit den anderen Figuren teilt, verkehren und damit wählen kann.

Besagte Dinge, die er um sich herum ansammelt werden immer exotischer und sensationeller. Das einfache Vergnügen reicht ihm nicht mehr, auf der Suche nach dem nächsten aufregenden Genuss stößt er immer weiter in fremde Welten vor. Sein junges und schönes Gesicht ermöglicht es ihm, selbiges innerhalb der aristokratischen Gesellschaft Londons zu behalten, weshalb jenes auf der Leinwand sichtbare Antlitz umso paranoischer unter Verschluss gehalten wird.

Die "Liebe" zu Sibyl

In seinem Narzissmus ist Dorian nicht in der Lage, sich auf etwas außerhalb seiner Person zu konzentrieren. Er bildet den Mittelpunkt seiner eigenen Welt, um sich herum schart er Kunstgegenstände, Bücher, Edelsteine und erlesene Düfte, in den Geschichtsbüchern meint er, eine Aufzeichnung seines eigenen Lebens zu erkennen. Seine vermeintliche Liebe zu der Schauspielerin mit dem sprechenden Namen Sibyl Vane ist nichts als Selbstliebe, die sich auf ihre unberührte Schönheit – eine Eigenschaft Dorians selbst – und die reizvolle Summe ihrer Rollen, die sie jeden Abend auf der Bühne verkörpert, fokussiert:
Lips that Shakespeare taught to speak have whispered their secret in my ear. I have had the arms of Rosalind around me, and kissed Juliet on the mouth.
Als Sibyl erstmalig eigene Leidenschaft entwickelt, verliert sie ihre Fähigkeit, Liebe vorzuspielen. Ohne ihr Schauspiel verkörpert sie nichts mehr für Dorian, der sie enttäuscht verlässt. Als er am nächsten Morgen vom Selbstmord des Mädchens erfährt, redet er ihn zusammen mit Lord Henry in weite Distanz, so dass Dorian nichts damit zu tun zu haben scheint:
She has never really lived, and so she has never really died.
Da sie für Dorian lediglich als die Gesamtheit ihrer Theaterrollen existierte, ist ihr Tod auch nicht tragischer als der einer Theaterfigur. Die Bühne dient sogleich als entspannender Fluchtraum für den Dandy, der sich am Abend zur Ablenkung in die Oper begibt.
To become the spectator of one’s own life, as Harry says, is to escape the suffering of life.

Basil Hallward

Das Portrait ist (im Gegensatz zum Leben) deswegen perfekt, weil es keine Vergangenheit und keine Zukunft kennt. Es wird von seiner Umwelt wahrgenommen und bewundert. Vielleicht vermittelt es eine Botschaft, die jeder auf andere Weise lesen kann, aber es selbst ist gegenüber seiner Umwelt vollkommen indifferent. So, wie es an der Wand hängt und das Geschehen um sich herum nur beobachtet, will auch Dorian sein eigenes Leben aus einer Perspektive der Distanz betrachten, die eine Reflexion dessen sowie eine tiefe emotionale Verbundenheit nicht zulässt, so dass er selbst seine eigenen Taten nicht als solche betrachtet.

Als Basil sein ehemaliges Modell eines abends aufsucht und wegen der Gerüchte, die um Dorians Person kreisen, zur Rede stellt, reagiert der narzisstische Sünder mit ungebrochenem Hass auf seinen ehemaligen Freund. Nachdem der Maler auf die Bitte, Dorians Seele zu sehen, vor das Portrait geführt wird, hält er Dorian dazu an, sein Seelenheil zu retten, bevor es zu spät ist.
In Dorians Welt der Selbstliebe und –fixierung erscheint Basil als radikales Anderssein, das nicht geduldet werden kann. Durch seine Zuneigung zu Dorian bedroht er außerdem das narzisstische Verhältnis dessen zu sich selbst und weckt Eifersucht. Der Schönling versucht, sich zu helfen, indem er Basil ersticht und den Raum, vom „death thing“ angewidert, verlässt. Durch die Reden des Ermordeten ist er erstmalig dazu angehalten, über seine Lebensführung nachzudenken, doch er kann zu keinem Schluss kommen, der ihn selbst aus seiner übergeordneten Position innerhalb des eigenen Selbstverständnisses heben würde: er stellt fest, Basil habe ihm keine Wahl gelassen und ihn mit seinen Worten bedrängt. Jede Erklärung ist gut genug, so lange sie Dorian davon abbringt, die Tat vor sich selbst verantworten zu müssen.
There had been a madness of murder in the air. Some red star had come too close to the earth.
Einige Zeit später beschließt er, immer wieder von Gewissensbissen wegen der Ermordung Basils geplagt, ein guter Mensch zu werden. Als sein Abbild entgegen Dorians Hoffnung anstatt einer positiven Veränderung einen Ausdruck von Heuchelei zeigt, gerät er in Rage und will es zerstören.

Der Tod

Als seine Bediensteten sich Zugang zu dem Zimmer verschaffen, erkennen sie den alten, entstellten Mann, der tot am Boden liegt, nur aufgrund seiner Ringe als ihren Arbeitgeber, während das Portrait des jungen und schönen Dorian, wie sie ihn zuletzt gesehen haben, an der Wand hängt.

Sowie das Bildnis die Lebensführung seines Modells beeinflusste, ruft es auch seinen Tod oder vielmehr Selbstmord hervor. Weil es die Visualisierung seines sittlichen und körperlichen Verfalls darstellt, kann Dorian dessen Anblick nicht ertragen. So wie Edward Hyde den verhassten Dr. Jekyll nicht vergiften kann, ohne selbst zu sterben, so kann auch Dorian Gray sein Abbild nicht vernichten, ohne selbst aus dem Leben zu treten.
Durch seinen Tod wird der Tausch des Äußeren wieder rückgängig gemacht, so dass Dorian nun das Aussehen des Portraits annimmt und umgekehrt. Er verbarg also die ganzen Jahre über das zweidimensionale Abbild seines Leichnams in der kleinen Dachkammer, das den Moment seines Scheiterns antizipierte und visualisierte. Mit dem Fortschreiten seines Lebens änderte sich auch dieses, bis es im Tod dreidimensionale Realität wurde. Das Bildnis war also nicht nur die Projektionsfläche seines Innenlebens, sondern auch ein memento mori-Objekt, dessen Anblick dem Protagonisten in seinem Begehren nach Unsterblichkeit unangenehm war. Eben dieses Begehren wird durch den Tausch und besagten Rücktausch des Äußeren erfüllt. Im Leben behält Dorian selbst sein Gesicht; ab dem Zeitpunkt, an dem er zu verwesender Biomasse geworden ist, wird die verbleibende Leinwand wieder zur Projektionsfläche für dessen Schönheit.
I thought of telling the prophet that Art had a soul, but that man had not.

Kunstrepräsentanten im Roman

Die im Roman gezeigten Figuren sind Mitglieder einer sich selbst entfremdeten Gesellschaft. Sie bewegen sich in einer schönen Umgebung und führen künstliche Gespräche. Jede der Hauptfiguren repräsentiert eine Kunstrichtung (Alan Campbell die Naturwissenschaft):
Basil und Sibyl sind auf den ersten Blick problemlos zuzuordnen: Sie sind zudem beide naive Verfechter einer idealistischen Hoffnung auf den Sieg der Moral. Beide scheitern an der Trennung von Kunst und Leben: Basil fürchtet, in Dorians Portrait seine an Idolatrie grenzende homoerotische Verehrung seines Modells offenbart zu haben und Sibyl hält ihr Leben lang ihre Kunst für die Realität, während sie nach der Begegnung mit dieser für ihre Kunst nur noch Verachtung und Abscheu übrig hat. Deshalb wird Basil von seinem besten Modell ermordet und Sibyl von ihrem größten Bewunderer in den Tod getrieben.
Lord Henrys Kunst ist die gesprochene Sprache. Er schreibt nicht, glänzt aber in der Gesellschaft durch zahlreiche Aphorismen und aufsehenerregende Lebenstheorien. Da er Dorian benutzt, diese verwirklicht zu sehen, ohne sich selbst einer Gefahr auszusetzen, ist er auch der einzige Handelnde, der den Roman überlebt (Alan Campbell bringt sich um). Seine Theorien sind harmlos, so lange sie theoretisch bleiben, ebenso wie die Phantasie eines Dichters ihn in die dunkelsten und phantastischsten Abenteuer führen kann, ohne seine Person zu gefährden.
Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Figuren entfernen sich Dorian Gray und Lord Henry im Laufe des Romans nicht von ihrer Kunst und vollziehen eine strikte Trennung zwischen Kunst und Leben. Dorian ist der Repräsentant der einzigen Kunst, die nicht imitativ ist und nichts außer ihrer Selbst rezipiert – der Musik. Da er Klavierspieler und kein Komponist ist, produziert er keine Kunst, deswegen steht bei ihm eine Vermischung von Kunst und Leben nicht zur Option. Um etwas von seiner eigenen Person in seine Kunst zu legen, müsste er sie schaffen und um sich wie Sibyl darin zu verlieren, müsste er in eine Rolle schlüpfen können, die er mit sich selbst identifiziert. Bei der Musik kommt diese Variante nicht in Frage: egal, wie sehr man sich in einem Musikstück wiederzuerkennen glaubt, es kann nicht in dem Maß Ersatz für die Realität werden wie das Schauspiel.

Schönheit über alles

In „The Strange Case of Dr. Jekyll & Mr. Hyde” benutzt Jekyll einen anderen Körper, um seine dunkle Seite auszuleben. Sein Doppelgänger besitzt keine äußerliche Ähnlichkeit mit ihm, sondern ist dieselbe Person, die sich aber gesellschaftlich inakzeptabel verhält. Er zeigt einen Bereich von Jekylls Innenleben, der in der Figur des Doktors unterdrückt, in der des Edward Hyde an die Oberfläche geholt wird.
Dorian Grays Äußeres ist sowohl in als auch außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft gleichbleibend. Seine Tarnung wird dadurch ermöglicht, dass die Menschen um ihn herum dem Ästhetischen eine übermäßige Bedeutung zukommen lassen. Selbst wenn er seine Taten gesteht, wird ihm kein Glauben geschenkt, da eine derartige Kluft zwischen äußeren und inneren Werten ausgeschlossen wird. Bei Stevenson erfolgt das Gleiche umgekehrt, wenn Mr.Hydes Erscheinung als Anlass dafür genommen wird, ihm Erpressung, Mord etc. zu unterstellen, wobei niemand darauf käme, den respektierten Dr. Jekyll in dieser Figur zu vermuten.
An Dorians Scheitern wird die Selbstparodie des Ästhetizismus deutlich. Er gestaltet sich selbst und seine Lebenswelt zu einem Kunstwerk und setzt Schönheit über Moral, Sitte und zwischenmenschliche Beziehungen. Trotzdem kann er sich in der höheren Gesellschaft bewegen, die für all das keinen Blick entwickeln will, während seine eigene Lebensweise ihn in den Selbstmord treibt. Daran wird deutlich, dass der Ästhetizismus sowie Hedonismus nur attraktiv ist, so lange er eine von Lord Henrys Theorien bleibt.

Samstag, 5. April 2008

digitale Foto... WAS?!


Dieses Schild sprang mich letzte Woche in einem größeren Elektrofachgeschäft am Alexanderplatz unverhofft an. Auf den ersten Blick erfüllt es seinen Zweck - es ist groß und auffällig. Schilder wie deses sollen die Orientierung im überdimensionierten Geschäft erleichtern, auf dass der verlorene Kunde darin finden möge, was immer er nie gesucht oder gekauft hätte, wäre er nicht zufällig darauf gestoßen.
Doch was wollen uns die bunten Buchstaben eigentlich wirklich mitteilen?
Davon, was "digital" bedeutet, hat jeder eine mehr oder minder schwammige Vorstellung. Beispielsweise sagt mein Fremdwörterbuch dazu, "digital" bezeichne etwas, das "als Digit darstellbar" sei. Das wiederum sei eine "elektronische Anzeigeneinheit, z.B. eine Ziffer". Wikipedia verrät und u.a., digital sei synonym mit "computergestützt". Offenbar wird der Begriff hier im Zusammenhang mit Photographie missbraucht, um den Unterschied zwischen dem digitalen und analogen Verfahren zu verdeutlichen. So weit so gut, darunter kann sich jeder etwas vorstellen und der Finger (lat. digitus) ist vermutlich nicht gemeint.
Der zweite lustige Begriff bezeichnet, eine Tasche, die die Ausrüstung eines Photographen aufnimmt. Obwohl die Bezeichnung "Fototasche" darauf schließen lässt, sie enthalte Photographien, hat sich dieser Begriff - wie die Internetrecherche ergab - als Sammelbegriff für jegliche Taschen, die ein Photograph brauchen könnte, eingebürgert.
Hätte ich die Aufnahme nicht abgeschnitten, würde man sehen, dass tatsächlich Kamerataschen gemeint sind, die in verschiedenen Ausführungen unter dem Schild hängen. Da Kameras ebenfalls zur Ausrüstung eines Photographen gehören, ist die Bezeichnung "Fototasche" an dieser Stelle nicht verkehrt, wenn auch nicht die präziseste. Wa man auf der oben dargestellten Aufnahme ebenfalls nicht sieht, sind weitere Kamerataschen, die sich weiter links befinden und mit der Aufschrift "Fototaschen" versehen sind. Offensichtlich wird hier also zwischen "Fototaschen" und "digitalen Fototaschen" unterschieden. Welcher Sinn verbirgt sich hinter diesen "Orientierungsschildern"? Fallen "digitale Fototaschen" nicht auch unter den allgemeineren Begriff "Fototaschen"? Was geschieht, wenn man eine schnöde "Fototasche" für eine digitale Kamera verwendet oder umgekehrt?
Wohlwollend denken wir uns das analoge Schildpendant dazu, denn einen Unterschied zwischen den beiden photographischen Verfahren gibt es immerhin sehr wohl. Diese Differenz ist evident; die Ausrüstung (einschließlich Taschen), die man für das jeweilige Verfahren benötigt, ist ebenfalls unterschiedlich. Soweit scheint die Einteilung, die in das Schild hineininterpretiert worden ist, in Ordnung zu sein.

Doch die wichtigste Frage, die dieser Schriftzug aufwirft lautet: Wie kann eine "Fototasche" digital sein? Sie müsste sich von einer analogen "Fototasche" dadurch unterscheiden, dass sie computergestützt oder als Ziffer darstellbar ist oder sich in irgendeiner Weise auf den Finger bezieht. Im Bezug auf eine "Fototasche" ergibt die Zuordnung einer dieser Eigenschaften ebensowenig Sinn, wie das Schild selbst.

Die Decodierung ergibt folgendes Ergebnis: Mit "Fototaschen" sind hier also Kamerataschen gemeint, die als "digitale Fototaschen" verkauft werden sollen, was vermutlich wiederum solche Taschen meint, die für digitale Kameras besonders geeignet sind. Als sinnfrei erweist sich diese Unterscheidung in diesem Fall dadurch, dass die Zuordnung der Artikel willkürlich erscheint und in der Praxis kaum ein erkennbarer Unterschied zwischen den Produkten besteht, wenn es denn überhaupt einen gibt.
Die Information, die dieser Schriftzug transportiert ist wohl die, dass der Texter bei seiner Arbeit entweder gar nicht oder an etwas anderes als die zugeordneten Produkte gedacht hat.
Aber was auf dem Schild steht, tut ja auch nichts zur Sache, denn was zählt ist, dass der Kunde die Artikel als "bombastisches Angebot" erkennt, um daraufhin - mit "digitalen Fototaschen" ausgestattet - an der Kasse sein Geld zu lassen.

Samstag, 22. März 2008

wunderliches Wien

Auf meinen nächsten Besuch in Wien freue ich mich wohl zurecht, denn bei jeder Reise in ihre eigentümliche Stadt erscheinen mir die Wiener ein wenig wunderlicher als zuvor.
Dieses Mal fielen mir besonders politisch inkorrekte Dinge, wie beispielsweise ein Ölportrait von Hitler (oder zumindest jemandem, der sein Doppelgänger sein könnte), das man auf dem samstäglichen Flohmarkt käuflich erwerben konnte, ins Auge. Als eine Ansammlung von Schmankerln auch in eben genanntem Sinn erwies sich das verbreitete politisch inkorrekt benannte Gebäck mit Namen wie Negerschnitte, Marokkanertorte, Mohr im Hemd oder meine persönlichen Favoriten: Cubabombe und Indianer mit Schlag. Letzteres ist kein verprügelter Ureinwohner Amerikas, sondern ein mit Schokolade überzogener Teigklumpen, der mit Schlagsahne serviert wird. So wurde mir zumindest berichtet...
Auch was die Sprache angeht, sind die Wiener ein lustiges Völkchen. Zumindest für deutsches Deutsch gewohnte Ohren sind die vielen österreichischen Ausdrücke , wie "Mistkübel", "Gackerl", "Piperl", "Eichkatzerl" usw. eine Freude.
Auch wenn die Freundlichkeit einzelner Eingeborener zu wünschen übrig lässt, die Stadt Wien ist (für Deutsche überraschend) touristenfreundlich: bereits bevor ich am Flughafen mein Gepäck wiedererlangt hatte, erhielt ich 2 Stadtpläne inkl. Kulturversanstaltungsprogramm und ein Ticket in die Innenstadt in die Hand gedrückt. Letzteres leider (wie alles in Wien, zumindest für mein Verständnis) für einige Euren zu viel. Besagter Plan verriet mir unter anderen nützlichen Sachen, dass es in der österreichischen Hauptstadt auch obskure Dinge außerhalb der touristischen Altstadt gibt. So beispielsweise ein Museum für Verhütung , ein mit Liebe gestaltetes Foltermuseum, ein Schnaps- , ein Schokoladen- und ein Bestattungsmuseum . Leider hatte ich weder Zeit noch Muße, alle genannten aufzusuchen.
Um das Klischee zu erwähnen, natürlich gibt es auch viele viele Dinge, die mit dem Tod zu tun haben, so beispielsweise einen riesengroßen Friedhof , auf dem Busse verkehren und der voller seltsamer Schilder und Gräber ist.
Erwähnenswert scheinen mir auch die beiden Automaten - einer mit Wolken, der andere mit Flammen bemalt - in der Votivkirche, die bei Münzeinwurf, nach Art der Snackautomaten, wie man sie aus öffentlichen Einrichtungen kennt, Kirchenführer, Postkarten, CDs mit Orgelmusik oder Teelichter ausspucken. Auch der fernsehende Goethe nicht zu verachten.
Wegen der vielen makabren, seltsamen und feinen Sachen, ist die ehemalige kaiserliche Residenz in jedem Fall eine Wonne!

Freitag, 7. März 2008

earth live im Lido 27.02.08

Anlässlich des wiederholten Hörens der aktuellen LP erinnerte ich mich an das "earth"-Konzert letzte Woche. Hier ein Bericht, dem ich zustimmen kann und einige Photos, die das Blickfeld über meinem Kopf eröffnen. Hier die Webpräsenz der Band.

K

Donnerstag, 6. März 2008

ein Sommernachtstraum

Meine Nachbarin und ein Anflug von Unvernunft verschlugen mich gestern abend ins dt in eine , den drei Stunden pausenloser Spieldauer zum Trotz, spannenden Inszenierung vom Sommernachtstraum . Diese vor allem mit Corinna Harfouch in der Rolle der Titania/Hyppolita beworbene Inszenierung entpuppte sich als eine wunderbar wilde und schmutzige Shakespeare-Inszenierung, die meines Erachtens dem Ansinnen ihres Autors weitaus näher kommt, als alle kunterbunten, glitzernden, in Seife geblasenen Abarten.
Als Bühnenbild diente die Innenansicht eines überdimensionierten Holzkastens ohne Ein- oder Ausgänge, abgesehen von der notwendigerweise fehlenden Wand, die den Zuschauern Einblick gewährte. Die Schauspieler statteten sich während des Stücks mit an den an der Hinterwand aufgehängten Requisiten aus.
Mein Favorit ist Ernst Stötzner als Puck, der entgegen den Klischees kein fellbekleideter Knabe mit Knospen und Zweigen im Haar, sondern im positivsten und wahrsten Sinne ein alter Sack ist. Dies ist er nicht zuletzt kostümbedingt, denn die schwarze Toga, die mal als Umhang, mal als Kopfbedeckung, mal als Prügelwerkzeug gebraucht wird, offenbart oft genug, dass sie - in den Momenten, in denen sie nicht am Boden liegt - sein einziges Kleidungsstück darstellt. Der Rest der Elfenschar besteht entzückenderweise aus ebenfalls nackten Männern, die allerlei bunte Röckchen tragen und sich mit vulgären Scherzen, die vorzugsweise auf Kosten Anderer erfolgen, die Zeit vertreiben.
photo: dt

Eine schrille, schreiende, zirpende, quakende, blutige, bunte, blumige, nackte, fruchtige, erdige Inszenierung, voller einfacher, aber genialer Ideen, die Klischees freundlich aus dem Weg geht. Einige Male wünschte ich mir einen Photoapparat, um absurde Momente wie beispielsweise diesen festzuhalten: Corinna Harfouch umarmt einen stämmigen, nackten Mann, der sich einen geweihförmigen Ast an die Stirn und einen weiteren, länglichen aufrecht zwischen die Beine hält und mit Kunstblut begossen ist. Zu Kommentaren über Jesusmotive und anderem Unfug sei an dieser Stelle aufgerufen.

K